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mehre anweſende kaiſerliche Beamten, die übertrieben⸗ ſten Gerüchte, daß die Ruſſen bereits in Deutſchland eingerückt und mit Preußen und Oeſtreich gemein⸗ ſchaftliche Sache gemacht hätten, zu widerlegen und in's Lächerliche zu ziehen. Ununterbrochen erkundigte man ſich nach den Redacteuren des Moniteur. Es war noch keiner erſchienen.
Da that ſich plötzlich die Thüre auf, ein junger Mann, ganz in den Mantel gehüllt und über und über beſchneit, trat haſtig herein. Er ſchien ſo außer ſich, daß er lange keine Worte finden konnte. Endlich warf er den Hut und Mantel von ſich, ſein Geſicht war entſtellt.„Meine Herren,“ rief er halb athem⸗ los,„ſo eben geht das Gerücht, der Kaiſer ſei ge⸗ fangen!“
Eine augenblickliche Stille folgte dieſer entſetz⸗ lichen Nachricht; doch im nächſten Augenblicke brach der Tumult los. Man beſtürmte den jungen Mann um Näheres. Da erhob ſich ein langer, feingekleideter⸗ Mann, der die ganze Zeit über ſcheinbar theilnahmlos in einer Ecke bei einer Taſſe Kaffee geſeſſen hatte. Er trat haſtig auf den Schreckensbotſchafter zu, welcher den vielen an ihn gerichteten Fragen kaum Genüge leiſten konnte, und ſchien ihn mit ſeinen Falkenblicken durchbohren zu wollen.
„Sie ſind verhaftet, mein Herr!“ rief er mit er⸗ hobener Stimme;„Sie find ein Verſchworner des General Mallet; nur ein Verräther kann Gerüchte wie das Ihrige ausſprengen. Sie werden ſich auf der Polizeipräfectur legitimiren.“ Er winkte, und mehrere Polizeigensd'armen, von denen man ſelbſt
nicht wußte, wo ſie ſo ſchnell hergekommen, bemäch⸗
tigten ſich des jungen Mannes, der, vor Schrecken bleich, keines Wortes mächtig war.


