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„Im warmen Zimmer,“ meinte dieſe,„läßt ſich amüſant darüber philoſophiren.“
„Ihr traut mir immer Nichts zu,“ rief der junge Franzos gekränkt und erröthend;„aber beim Himmel! ihr ſollt mich kennen lernen!“
Henriette warf einen wohlgefälligen Blick auf den ſchönen, kriegsluſtigen Eouſin, ſie hüpfte auf ihn zu und ergriff ſeine Hand:„Nichts für ungut,“ bat ſie; 5 „Du biſt ein wackerer Junge; aber willſt Du Dich im liebenswürdigſten Lichte zeigen, ſo bleibſt Du hübſch bei uns.— Wir Frauen bedürfen ja doch auch der Beſchützer.“—
Da that ſich die Thür auf und herein trat eine kräftige, ſchöngebaute Jünglingsgeſtalt, aus deren ein⸗ nehmenden Zügen Milde und männlicher Ernſt ſpra⸗ chen. Der junge Mann grüßte ehrerbietig, aber mit einer in Paris ungewohnten Einfachheit und Unge⸗ zwungenheit.
„Ah, Georg,“ rief ſogleich Eugen, dem Eingetre⸗ tenen entgegeneilend,„nichts Neues von Rußland?“
Der Befragte wandte ſich aber zu Henrietten: „Euer Herr Vater,“ ſprach er,„Mademviſelle, läßt ſich entſchuldigen, wenn er heute etwas ſpäter als gewöhnlich zum Eſſen kommen ſollte. Briefe von Wichtigkeit machen ſeine Anweſenheit im Comptvir nothwendig.“
„Briefe von Wichtigkeit?“ frug Eugen von Neuem und geſpannter,„heraus mit der Sprache, Georg, was macht der Kaiſer, die Armee? Ihr Kaufleute habt gewöhnlich beſſern Wind als die Journaliſten.“
„Ich weiß nicht,“ antwortete Georg,„ob die Briefe des Principals über die ruſſiſche Campagne berichten; aber nach den Gerüchten, die in dieſen Au⸗ genblicken durch die Stadt laufen, hat die Armee ſchwe⸗
„ res Unglück betroffen.“


