„Danke doch Gott,“ ſprach unmuthig die Cvu⸗ ſine,„daß Du in der warmen Stube ſitzen kannſt. Der Kaiſer wird ſchon ohne Dich mit den Ruſſen fertig werden.“
„Danke doch Gott,“ ſpottete gereizt der Kriegs⸗ luſtige,„möchte wiſſen, wofür? So ein Feldzug kommt in hundert Jahren nicht wieder. Aber hoffent⸗ lich iſt mit 1812 noch nicht Feierabend, und nächſten Frühling will ich ſehen, wer mich halten ſoll; und wenn Ihr mir abermals Hinderniſſe in den Weg legt, ſchreib' ich direct an den Kaiſer; ganz gewiß, ich ſchreibe an den Kaiſer.“
„Und Deine arme Mutter, die einen Gatten und drei Söhne bereits geopfert hat,“ frug im ſtrafenden Tone Henriette,„gilt Dir alſo Nichts?“
„Wer ſagt das?“ erwiederte der Jüngling nicht ohne Heftigkeit,„lieb' ich die Mutter nicht von gan⸗ zem Herzen? Aber das Vaterland iſt auch eine Mut⸗ ter, und wenn das ruft, muß ein guter Franzoſe ge⸗ horchen.“ 8
„Bis jetzt hat's Dich aber noch nicht gerufen,“ ſprach die Couſine.
„Wird ſchon die Zeit kommen,“ tröſtete ſich Eu⸗ gen,„Soldaten werden immer gebraucht.“
Henriette war an's Fenſter getreten und ſchaute in die Nacht hinaus. Es war ein tolles Unwetter; der Sturm tobte ununterbrochen, die Wetterfähnchen ſchrillten und von Zeit zu Zeit hörte man Ziegel von den hohen Dächern herabfallen.
Eugen, fortwährend Kriegsgedanken im Kopfe, ſprach:
„In ſolcher Nacht Schildwacht zu ſtehen auf dem äußerſten Poſten, am einſamen Waldesrande, ganz nahe den feindlichen Pikets, Henriette, vive l'empereur!“


