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„Warum marſchirt aber auch der Kaiſer nach dem en Lande?“ frug Henriette ungehalten.
„Wie Du wieder ſprichſt!“ erwiederte Eugen zu rechtweiſend.„Hat Rußland nicht den Frieden ſelbſt gebrochen und ſich mit den Engländern verbunden? Blieb denn unſerm Kaiſer Anderes übrig als der Krieg? Und da die Ruſſen ſich wohl hüten werden, herauszukommen nach Frankreich, ſo mußten unſre Heere ſelbſt hinmarſchiren, die Bundbrüchigen zu züchtigen. Auch iſt Alles gut gegangen bis auf Mos⸗ kau, das die Barbaren gegen alles Völkerrecht nieder⸗ gebrannt haben.“
„Es gehört indeß immer Cvurage dazu,“ bemerkte das Mädchen,„die eigne Hauptſtadt zu opfern; wir Pariſer würd en uns beſinnen, unſer ſchönes Paris zu verbrennen.“
„Wir würden Paris vertheidigen bis auf den letzten Mann,“ rief eifrig der Couſin,„aber nicht die Brandfackel in die eignen Wohnungen ſchleudern; übri⸗ gens kann Paris gar nicht in den Fall kommen, daß die Feinde vor ſeinen Thoren erſcheinen.“
Eugen ſprach die letzten Worte mit dem den Fran⸗ zoſen eigenthümlichen Selbſtgefühle und die Couſine fand ſich ſehr beruhigt dadurch. Nach einer Pauſe ließ er wieder Ingrimm gegen Rußland los. „Aber ſie werden es büßen, das Brandopfer,“ rief er, „noch nie ließ ſic Frankreich ungerächt reizen! Wer weiß, wie es jetzt ſteht; ob der Kaiſer nicht ſeinen frühern Plan verfolgt hat und unſre ſiegreichen Adler bereits gen Petersburg flattern. Was der Kaiſer will, vollbringt er. Das Wort„unmöglich“ ſteht nicht in ſeinem Wörterbuche. Sein Sprichwort iſt:„Impos- sible, c'est un mot d'un fou.“ Auf, nach Peters⸗ burg, wer da könnte dabei ſein!“


