Teil eines Werkes 
10. Band, 1813 : historischer Roman : 1. Theil (1853) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
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Couſine ſo wenig Sinn für ſeine ſtrategiſchen und politiſchen Notizen an den Tag legte.

Hier liegt Kaluga, fuhr er nach einer Pauſe fort,und hier Moskau, und hier Malojarosla⸗ wez, wo ſich mein Namensvetter, der große Eugen, unſterblichen Ruhm erwarb; mit ſeinem Corps allein ſchlug er die geſammte ruſſiſche Armee. Der Kaiſer ſelbſt hat gerufen:Eugen, das iſt Ihr ſchönſter Tag!

Sioh doch dieſes allerliebſte Spitzenhäubchen à la Marie Louiſe, unterbrach die Couſine und ſchob ein zierliches Modenbild dem jungen Docenten hin;iſt das nicht reizend, frug ſie begeiſtert.

Du bleibſt doch ein verwahrloſ'tes Geſchöpf! brach jetzt der patriotiſche Couſin los:in den jetzi⸗ gen weltgeſchichtlichen Zeiten, wo jedes ächte Fran⸗ zoſenherz nur von einem Gefühle belebt wird, wo alle unſere Wünſche und Hoffnungen nur in den nor⸗ diſchen Eisgefilden wohnen, für die Erbärmlichkeiten der Mode Intereſſe zu haben; es iſt entſetzlich und Du willſt eine Tochter von Paris ſein?

Henriette lächelte, nahm das Modenbild zurück und betrachtete es nochmals mit innigem Wohlgefallen. Dann aber ſtützte ſie den Lockenkopf auf den Arm und blickte nach der Karte.Nur weiter, Schatz, ſprach ſie,ich höre jetzt andächtig zu.

Unmuthig fuhr der Coufin fort:Hier liegt das Dorf Borodinv an der Moskwa, wo ſeit der Er⸗ findung des Pulvers die größte Schlacht geſchlagen wurde. Hier ward der ruſſiſche Eisbär von unſern Adlern zu Boden geſchmettert und die alte Czaren⸗ hauptſtadt Moskau erobert. Nie kämpften unſre Legio⸗ nen und unſre Marſchälle heldenhafter. Den Preis des blutigen Tages aber erhielt Marſchall Ney. Der