Teil eines Werkes 
9. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Den reichen Lachshändler müſſen ſich der ge⸗ ſtrenge Herr Bürgermeiſter ſchon aus dem Sinne ſchla⸗ gen. Bis zu Groß⸗Neujahr wartet der Mohr nicht.

Sebaſtian war in Verzweiflung. Friederike wurde citirt und über einen anderweitigen Freier verhandelt. Der Papa brachte mehrere angeſehene alte Jungge⸗ ſellen, die ſich bereits vor Jahren zahlloſe Körbe ge⸗ holt, in Vorſchlag. Aber jedes Mal gab das Mäd⸗ chen ihre Averſion durch die Worte:Ich heirathe den Mohren, unverhohlen zu erkennen.

Als Sebaſtian mit ſeinen Freiervorſchlägen auch gar keinen Anklang finden wollte, ward er endlich deſperat.

Wohlan, ſo ſuch' Dir ſelber einen, aber nur ſchnell, damit wir des Mohren ledig werden.

Friederiken ward hiermit das ſchätzbare Privile⸗ gium der Königin Viectoria zu Theil, ſich ſelbſt den Bräutigam wählen zu dürfen. Sie zögerte auch nicht, davon Gebrauch zu machen, und wählte den Kauf⸗ mann Lindhardt, wobei ſich ihr Geſchmack freilich in beſſerm Lichte zeigte, als der ihres Herrn Vaters. Lindhardt war der liebenswürdigſte junge Mann, dem überdies Kopf und Herz auf dem rechten Flecke ſaßen, nur daß er mit Vermögen in weit geringerm Grade bedacht war, als der Lachshändler Tobias Pumphänel.

Der Bürgermeiſter wollte aus der Haut fahren, als er Lindhardt's Namen hörte.

Wie? rief er,dieſen armen Schlucker, dieſen Habenichts?

Dieſen oder den Mohren, entſchied Friederike mit männlicher Beſtimmtheit.

Das war allerdings eine höchſt traurige Alterna⸗ tive für den nach zeitlichem Gute gelüſtenden Bür⸗