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„Das einzige Mittel, Dero Fräulein Tochter zu retten, beſteht darin, daß Sie dieſelbe noch heu⸗ tigen Tages mit ihrem künftigen Gatten verlo⸗ ben. Daß ich ſo ganz unverſchuldeter Weiſe ſolche Betrübniß in Hochdero Familie gebracht habe, hat mich dermaßen ergriffen, daß ich außer Stande bin, die angekündigte außerordentliche Vorſtellung der Eppropriations⸗Kaleidopſie auf dem Rathhaus⸗ ſaale zu geben. Ich ſtehe eben im Begriff, Zuckel⸗ hauſen und Umgegend für immer zu verlaſſen. Leben Sie wohl und beklagen Sie
Ihren ganz ergebenſten Mohren von Venedig.“ „Das einzige Mittel,“ ſprach kopfſchüttelnd der Bürgermeiſter, nachdem er geleſen,„meine Tochter vor dem bezaubernden Eindruck des Mohren zu be⸗ wahren, beſteht darin, daß ich ſie noch heute verlobe.“ „Ich glaube auch, das Mittel iſt probat,“ meinte Safian. „Zu einer Verlobung gehört aber vor allen Din⸗ gen ein Bräutigam.“ „Nun, Herr Tobias Pumphänel, der reiche Lachs⸗ händler,“ bemerkte der Diener. „Leider Gottes kehrt der erſt Groß⸗Neujahr zu⸗
rück, ſonſt wären wir aus aller Verlegenheit. Ja,
wenn der zugegen wäre, ſollte auf der Stelle Ver⸗ lobung ſein.“
„Aber Mamſell Riekchen ſcheint dem Lachshänd⸗ ler nicht gewogen,“ ſprach Safian.
„Das bliebe ſich gleich,“ erwiederte der Bürger⸗ meiſter.„Pumphänel iſt ein gemachter Mann, wiegt ſeine Dreißigtauſend, da kann keine Averſion in Be⸗ tracht kommen. Ach, daß er hier wäre, der Edle!“


