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germeiſter. Wie ein Peter von Amiens predigte er gegen die gottloſe Wahl, wie er ſie nannte. Man hat nie den Bürgermeiſter von Zuckelhauſen, weder vorher, noch ſpäter, in ſolchem demoſtheniſchen Feuer geſehen. Himmel und Erde bot er auf, den Ent⸗ ſchluß der Tochter wanken zu machen— halb aber Alles nichts—„Lindhardt oder der Mohr!“ war und blieb Friederikens Parole.
Endlich unterlag Sebaſtian. Seine einzige Hoff⸗ nung beſtand nur noch darin, daß Lindhardt auf die ihm angetragene Friederike aus freien Stücken ver⸗ zichten werde; aber zu eben ſo großer Verwunderung als Entrüſtung des Bürgermeiſters ward das Mädchen mit heißem Danke acceptirt. Jetzt blieb nichts übrig, es mußte zur Verlobung geſchritten werden, die auch ſelbigen Tages erfolgte und durch den noch vom Diner anweſenden Herrn Superintendenten mit Salbung voll⸗ zogen ward.
Der Mohr von Venedig war ſpurlos verſchwunden. Nach zwei Tagen erhielt derſelbe nachſtehende Zeilen von bekannter Hand:
„Theuerſter Theodor!
„Du haſt Deine Rolle vortrefflich geſpielt.“ Unſere lang im Stillen genährte Liebe hat durch Deine Vermittelung alle Schwierigkeiten beſiegt. Friederike iſt meine Braut und der reiche Papa ſöhnt ſich täglich mehr mit mir aus, indem er, meine beſchränkten Vermögensverhältniſſe überſe⸗ hend, den Menſchen in mir achten und lieben lernt. Auch meine glückliche Braut legt den ſchönſten Dank Dir zu Füßen. Ich bin ihr doch lieber als Tobias Pumphänel, obſchon dies weiter keine Schmeichelei für mich ſein ſoll. Unſere Hochzeit iſt auf Pfing⸗


