Teil eines Werkes 
9. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Mann dort am Ende des grünen Tiſches,“ begann mein Vetter, der ebenfalls mit ſeinem Fernrohr ne⸗ ben mich getreten war,„iſt ein Huſaren⸗Rittmei⸗ ſter, welcher ſich, von falſchen Freunden verlockt, der Furie des Spiels hingegeben. Bereits iſt ſeine Baar⸗ ſchaft von der Bank verſchlungen und der Unglückliche hat die ihm anvertrauten Compagnie⸗Gelder ange⸗ griffen. Nur bis eilf Uhr erlaubt ihm die Ordre zu verweilen, dann muß er zu ſeinem Regimente, das einige Meilen von hier im Cantonnement liegt. Hat er bis dahin die Summe des ihm anvertrauten Gel⸗ des nicht wieder gewonnen, ſo iſt er verloren.“ Ich betrachtete mir die Geſtalt jetzt genauer. Es war ein kräftiger, ſchlankgebauter Mann in den dreißiger Jahren. Majeſtätiſch ruhte der ſchöne Kopf auf dem energiſchen Halſe, aber um die Ruhe des ſchönen Ge⸗ ſichts rang die Verzweiflung mit der kalten Etikette. Ein fieberhaftes Lächeln zitterte um die Mundwinkel bei jedem abſchlagenden Satze. Nur ein Drittel des anvertrauten Gutes war noch ſein. Jetzt galt es Tod und Leben und zwar ſchleunigſt, denn immer nä⸗ her rückte der Stundenweiſer der verhängnißvollen Eilf. Aber noch immer wollte die treuloſe Fortuna nicht lächeln und immer geringer ward der ihm ver⸗ bleibende Reſt. Jetzt waren nur noch funfzig Louis⸗ d'or geblieben.— Nur zwei Minuten fehlten, eine neue Taille begann— da entwich der letzte Bluts⸗ tropfen aus dem Geſicht des Rittmeiſters, eonvuſſi⸗ viſch zuckte ſeine Hand nach der letzten Rolle.— Er hatte ja ſein Lebelang ſo viel Glück bei den Da⸗ men gehabt— ſollten ſie ihn jetzt in dem fürchter⸗ lichſten Augenblicke ſeines Lebens untreu werden?— Er ſetzte den letzten Reſt auf die Cveur⸗Dame. Das ſchreckliche eintönige„Tout va!“ begann von Neuem.