Teil eines Werkes 
9. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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noch Zeit genug, ſein diaboliſches Lächeln verrieth es, um den Examinanden als ausgemachten stupidns, wenn nicht als Furiosus dem Cenſurcollegio zu über⸗ liefern. Aber dem Himmel ſei Dank, diesmal machte mein Vetter einen Strich durch die Rechnung. Wiewohl faſt noch fünf Minuten fehlten, paukte er los und der Unglückliche war gerettet. Wie ein Blitz aus heiterer Luft traf der dumpfe Gbockenton das Ohr des Examinators. Wie Kolikpein durchzuckte es alle ſeine Muskeln; er mußte den im hölliſchen Feuer gebratenen Candidaten fahren laſſen und grimmig murmelte er: suffciat! Der Examinand kam mit einem blauen Ange und leidlicher Cenſur davon. Mukker hat ſpäter meinen Vetter gerichtlich belangt wegen des zu frühen Anſchlages, aber mein Vetter iſt in derlei Angelegenheiten nicht auf den Kopf gefallen und ſtellt ſeinen Mann. Der böſe Juriſt konnte mit all' ſeinen Kniffen und Argumenten nichts ausrichten gegen meinen braven Vetter.

Die neunte Stunde nahte.Guck' dort hin!

ſprach mein Vetter.

Am Ende der Pappel⸗Allee, auf einer Bank ſaß ein verliebtes Pärchen. Sie ſchwuren ſich Treue und ewige Liebe und ſeufzten und ſchmachteten und riefen die Sterne zu Zeugen ihres ewigen Bundes. Es war der Oberkanonier und das Kammerkätzchen einer gnädigen, aber geſtrengen Herrſchaft. Beider Urlaub war bereits halb neun Uhr um, aber ſie hatten als ſelige Geiſter in überirdiſchen Sphären ſchwebend, die proſaiſche kleine Seigerſchelle des Rathhauſes nicht vernommen. Jetzt flehte der Oberkanonier noch um einen Kuß, ſchamhaft zögerte die Geliebte.Zier⸗ affe! brummte mein Vetter und ſchlug an die Glocke. Erſchrocken fuhr das Pärchen auf. Der Kuß ward