Teil eines Werkes 
9. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Examinatoren hatten ſich in den drei Stunden das lebendige Corpus wie einen Butterbaum an unzähli⸗ gen Stellen angebohrt und angezapft, um zu ſehen, ob die edle, in dem Triennio einfiltrirte Doectrina fließe auf die rechte Weiſe. Es war wohl manchmal eine kleine eingetreten, aber die Hähne wa⸗ ren Menſchen und hatten eher nachgeholfen als ver⸗ ſtopft. Da kam noch der alte Feudaliſt Muk⸗ ker daran, der Capidſchi⸗Baſchi aller Examinanden, der es alle Mal ſchnurſtracks auf den Nickfang abge⸗ ſehen hatte. Er fuhr wie ein böſer Geiſt, wie ein diaboliſcher Kater, der ein Stück brennenden Schwamm unterm Schwanze verſpürt, in haarſträubenden Sätzen im ganzen Jus herum und pflegte nicht ſelten den gehetzten Candidatus als todt abzuliefern an das cen⸗ ſurſprechende Collegium. Wenn er nur nicht in die successio feudalis ſpringt, dachte der Examinand und trocknete ſich den Angſtſchweiß von der Stirne, da ſieht's miſerabel, troſtlos, öde aus, da bin ich ge⸗ liefert. Mukker beſaß indeß die Clairvoyance, die Gedanken ſeiner vis à vis aus deren Mienen zu leſen. Ein markerſchütterndes Lächeln zuckte über ſein gelbes Bocksgeſicht, die Augen funkelten vor heimli⸗ cher Wolluſt und er fuhr mit einem Satze richtig in die Lehnerbfolge, in die Lineal-, Gradual- und ge⸗ miſchte Erbfolge. Die diaboliſche Strategorie Muk⸗ ker's ließ keinen Zweifel, der Examinand war in ganz kurzer Zeit vernichtet. Er ſah ſchon nichts mehr. Seine Augen ſtarrten geiſterhaft, ſeine Antworten wurden immer bornirter und ließen an ſeinem geſun⸗ den Menſchenverſtande irre werden.Vetter, rief ich in Todesangſt,wenn Ihr diesmal nicht auf der Stelle lospaukt, iſt der Teufel um einen Braten reicher. Mukker ſchaute jetzt nach ſeiner Uhr; es ſchien gerade