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„O wär ich doch,“ jammerte Friedlein,„weit von hier; ſäß' ich in meinem Stübchen hinter den ehrwürdigen Kirchenvätern oder draußen im Walde, mein Frühſtückbrodchen auf gewohnte Weiſe mit den lieben Vöglein theilend.“— Zugleich ſuchte er ſich Troſt einzureden.„Stranguliren kann er dich doch nicht in unſeren aufgeklärten Zeiten, oder des Hoch⸗ verraths anklagen beim Geſammt⸗Miniſterio wegen des unſchuldigen Promemoria?“— Da ſchlug mein Vetter los. Es waren für Friedlein die Poſaunen⸗ ſtöße des ewigen Gerichts, und kaum verhallte der letzte Schlag, da rief eine Stimme:„Herr Candidat Fürch⸗ tegott Friedlein!“ So viel konnte ich noch gewah⸗ ren, wie ſich die ſchwarze Geſtalt des Candidaten in Bewegung ſetzte und auch glücklich die Thür, die ſich ſogleich wieder hinter ihm ſchloß, erreichte. Ob ſein Promemoria gefruchtet oder nicht, hab'ich leider nicht erfahren können. Indeſſen wollen wir das Beſte hoffen.
Die Sonne rückte dem Meridian immer nä⸗ her, immer glühender brannten ihre Strahlen. Die zwölfte Stunde nahte.„Guck' dort hin!“ ſprach mein Vetter.
Es war eine gedrängt volle Schulklaſſe. Eine drückende Schwüle lag über der Verſammlung. Der Conrector exponirte Ovid's Metamorphoſen und war über die Hitze wie über die ſchlechte Präparation gleich aufgebracht. Bereits waren funfzig Verſe— eine Seltenheit— überſetzt, und der Conrector dachte an kein Aufhören. Neben dem gegenwärtigen Ueber⸗ ſetzer aber ſaß ein armes, bleiches Sündergeſicht. Man ſah's ihm an, daß er ſoweit an keine Präparation gedacht. Kam er daran, ſo war er geliefert, und die miſerabelſte Cenſur zur bevorſtehenden Prüfung


