gen Jahren nach einer dürftigen Unterpfarrſtelle ge⸗ lechzt, aber ſtets von Glücklicheren überflügelt worden war. Es war die treuſte Seele, in der Dogmen⸗ und Kirchengeſchichte, in der Exegeſe ganz ſattelfeſt, ein guter Prediger, ſein Herz voll Liebe aber fremd in der Welt und ihrem ſchnöden Treiben, und der Fluch der allzu großen Schüchternheit und Unbehülf⸗ lichkeit ruhte auf ihm. Darum waren minder Ver⸗ diente, die aber ihr Licht nicht aus allzu großer Be⸗ ſcheidenheit unter den Scheffel ſtellten, immer vorge⸗ zogen worden. Endlich, durch allzu große Noth ge⸗ trieben, hatte er ſich ein Herz gefaßt und in einem rührenden Promemoria ſein Leben und ſeine Leiden dem Cult⸗Miniſter an's Herz gelegt. Heute war der große Tag, die eilfte Stunde die verhängnißvolle, die über Leben und Tod, Sein oder Nichtſein des Can⸗ didaten entſcheiden ſollte.— Der Vorſaal des Au⸗ dienz⸗Zimmers war angefüllt mit Supplikanten. Wie ein Schmiedehammer arbeitete das Herz unter dem Fracke des Armen. Er ſah Alles doppelt. Eine Todtenſtille herrſchte. Zuweilen vernahm man die ſtrenge, rügende Stimme des Miniſters.„Seine Ex⸗ eellenz ſcheinen heut' nicht bei Laune,“ flüſterte der ne⸗ ben Friedlein poſtirte Supplikant einem Dritten in's Ohr.— Nicht bei Laune! keine vernichtenderen Worte hätten den Candidaten treffen können. Nicht bei Laune und mein Promemoria! Jetzt ſchien Alles um ihn her zu rauchen und— nur wenig Minuten fehl⸗ ten an der Eilf.
„Vetter,“ rief ich in der Angſt meines Herzens „wenn Ihr nicht ſogleich losſchlagt, ſtehe ich nicht für Friedlein.“
„Es kann dem Narren nichts ſchaden!“ meinte der Vetter,„er iſt danach.“


