14⁴
ſche, ich würde ihn noch um den Dienſt bringen,— wenn es nach mir ginge, fiele die ganze Zeit zuſam⸗ men,— ob ich nicht ſähe, daß noch ganze ſechs und eine halbe Minute fehlten am Stutz?
Ich ließ mich belehren und replizirte nichts, zog
aber mein weißes Taſchentuch hervor und wedelte zum
Thurmfenſter hinaus, den Guten dort unten meinen Mitjubel zu verkünden.
Dieſe Wedelei war dem Vetter wieder nicht recht. Das liefe gegen die Thurmordnung, meinte er. Ich würde es doch wohl erwarten können.— Ich zankte auf die Thurmordnung und legte mich nun auf's Bit⸗ ten.„Vetter, himmliſches Vetterchen, ſo ſchließt doch in's Teufels Namen den Himmel auf für die Engel dort unten in der Quergaſſe. Jeden Augenblick kann ja mich oder Euch der Schlag rühren und da verpaßt man die ganze Herrlichkeit.“
Der gute Alte lächelte und ging hinaus. Noch einen Augenblick Ruhe. Die Pulſe ſtockten mir— Himmel, da erklangen die Freiheitglocken aus himmli⸗ ſcher Höhe— die ganze Familie dort unten aber ſank auf ihre Kniee, laut betend und weinend.
Ich ſchaute verklärt in das Auferſtehungsfeſt.— Der Thürmer aber war neben mich getreten, hielt fromm ſein Käppchen in der gefalteten Hand und konnte ſich nicht ſatt ſehen an der Freude, die er diesmal angerichtet.—
Die eilfte Stunde nahte.—„Guck dort hin!“ ſprach mein Vetter.
Mit ſchlotterndem Knie, zähnklappernd, ſchwarz gekleidet, in ſeidenen Strümpfen, ſtieg ein junger Mann die breite ſteinerne Treppe hinauf, die zum Audienzgemache des Cult⸗Miniſters führte. Es war der arme Candidat der Theologie, der ſeit zehn lan⸗


