10
„Da möchte ich ſchon mit,“ ſagte ich zu meinem Vetter und ſtellte das Fernrohr in eine Ecke. Dieſer aber hatte unterdeß ein gar nicht übles Frühſtück auf⸗ getafelt und ſich mir zu Ehren wirklich angegriffen. Mein Vetter geht nämlich von dem herrlichen Ge⸗ ſichtspunkte aus, daß ein Dichter ſo gut einen Magen hat und Appetit verſpürt wie ein anderer Menſch und vom Morgenroth und Mondſchein nicht ſatt wird. Darum war das Frühſtück kräftig und ſchmackhaft und ein Fläſchchen guter Medve war auch dabei, ſogar für Eigarren hatte er geſorgt; dazu die herrliche Aus⸗ ſicht und der ſchöne Morgen. Ich ließ mich nicht lange nöthigen und ſagte:„Vetterchen, es ſoll Sie nicht gereuen, es wird Alles gedruckt. Vivat, alle Thürmer ſollen leben, und alle Poeten von Hiob bis auf den Ritter A. von Tſchabuſchnigg, der unlängſt ſeine Gedichte bei Arnold herausgegeben hat. Aber Vetter, ſind Sie mit Ihrem Hammer ein gewaltiger, gebietender Mann; das geht ja da unten Alles da⸗ nach!“ Der Vetter meinte, was ich geſehen, wäre noch nichts, ich ſollte nur aushalten.
Die neunte Stunde nahete.
Eine Zorn⸗ und Flammenglut auf dem Geſichte, führte die dicke Bäckerin Frau Bretzel eine Wahnſinn⸗ ſcene aus einem noch ungedruckten Trauerſpiele auf ihrem eigenen Zimmer auf. Ich und mein Vetter bekamen die Vorſtellung gratis und hatten gut Zuſe⸗ hen. Wir waren auch das einzige zuſchauende Pu⸗ blikum; denn vor den ergreifenden Actionen und Dec⸗ lamationen der Bäckerin war Alles geflüchtet. Kein Dienſtmädchen getraute ſich mehr in's Zimmer. Be⸗ ſonders wenn der Blick der Actrice auf die Stutzuhr fiel, gab es tief gefühlte, ergreifende Momente. „Vetter, was rumort die Frau?“ fragte ich.


