Teil eines Werkes 
9. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Jetzt glänzten ſie auch in den Augen des jungen Re⸗ kruten. Es war ja das erſte Mal, daß er das Va⸗ terhaus, das liebe Dörfchen und die heimathlichen Fluren verlaſſen ſollte. Bald wanderte er einſam dem finſtern Stadtthore zu und die Aeltern und die Schweſtern und die Brüder und Vettern und Muh⸗ men kehrten de⸗ und wehmüthig zum Dorfe zurück.

Die achte Stunde nahte.Guck' dort hin! ſprach mein Vetter.

Die feſtlich geſchmückte Schulſtube wimmelte von Knaben und Mädchen, alleſammt in Sonntagskleidung. Es war ein Geflüſter und die freudigſte Erwartung lag auf allen Geſichtern. Wie oft guckten die Klei⸗ nen herauf zum Thurm! Wollte es denn auch gar nicht acht Uhr ſchlagen, daß der Lehrer herabkäme und ſie hinausführte zu ſeinem Geburtstage in die blühende Schöpfung, auf's grüne Land, worauf ſie ſich gefreut das ganze Jahr? Wie bockend ſchien die herrliche Morgenſonne, welch' himmliſcher Feſttag ſtand bevor, weit, fern von der Stadt ſich herumtummeln zu dürfen bis an den Abend. Mein Vetter hatte ſeine Freude an der lieben Ungeduld.Lieber Vetter, ſprach ich,auf ein paar Minuten ab und zu kommt's ja nicht an, pauken Sie doch los, damit der Prä⸗ ceptor erſcheine. Aber mein Vetter iſt in ſeinem Berufe hart wie ſein Hammer. Er antwortete nicht, ging aber nach einer Weile unaufgefordert hinaus und verkündete die achte Stunde. O dieſer Inbel in der Kinderwelt bei dieſen himmliſchen Klängen, und wie der Lehrer hereintrat in ſeiner Feiertracht mit der feſtlichen und freundlichen Miene, und wie er überſchüttet ward mit Gedichten, Reden und Blu⸗ men. Aber bald ward das Zeichen zum Aufbruch ge⸗ geben und der Schwarm jubelte hinaus mit ſeinem fröhlichen Herzen.