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Flackern einer Lampe erleuchtete ſchwach das ſchauer⸗ liche Gefängniß und die wilden Züge des gefeſſelten Verbrechers. Böſe Träume ſchienen den Schlummern⸗ den zu beunruhigen, krampfhaft zuckte es zuweilen über das finſtere Antlitz. Allmälig aber ſenkte ſich Frieden auf ihn herab und die Mienen erheiterten ſich ſichtbar. Es iſt ſein letzter Schlaf,— ſprach mein Vetter in dumpfem Tone und griff zum Ham⸗ mer.—„O weck' ihn nicht!“ rief ich, aber der Thür⸗ mer ging hinaus und verkündete die fünfte Stunde des Morgens. Dumpf wie Grabesruf dröhnte die Glocke hinaus über die Stadt in fünf fürchterlichen Schlägen. Das Blut gerann in meinen Adern. Der letzte Schlag erreichte das Ohr des Gefangenen. Da⸗ hin war der Schlaf. Wild fuhr der Unglückliche vom Lager auf, die Ketten raſſelten, geiſterhaft ſtarr⸗ ten ſeine Augen, das Haar begann ſich zu ſträuben und herein trat der Geiſtliche, ihn zum Richtplatze zu begleiten.
Vernichtet legte ich den Dollond hinweg, der Vetter kehrte zurück, aber nicht als der freundliche, liebe Mann,— er erſchien mir als Todesbote. Ich ſchaute in das keimende Morgenroth. Eine Thräne trat in meine Augen. O dieſe Morgenfriſche, dieſes erwachende Leben und— Tod— Tod— keine Ret⸗ tung! Die Stunde entfloh.
„Guck dort hin!“ gebot wiederum mein Vetter, und ich gehorchte.
Roſig ſtahl ſich das junge Morgenlicht durch die grünſeidenen Vorhänge und küßte das Engelgeſicht des ſüß träumenden ſiebzehnjährigen Kindes. In reizender Widerſpenſtigkeit hatten ſich üppige dunlle Locken aus der Haft des niedlichen Spitzenhäubchens befrei't und ringelten ſich träumeriſch am blendenden


