Teil eines Werkes 
9. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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droht und der jüngſte Tag meinem Vetter klar vor Augen ſteht, dann greift der alte Mann nach der Bibel und ſchlägt ſie auf, recht oder verkehrt, es hat allemal geholfen, und das Gewitter zog gnädig vorüber. Wie ſchön und golden bricht das Abendroth hinter den zerriſſenen Himmelsdecken hervor, die erquickte Ge⸗ gend himmliſch erleuchtend, wie wölbt ſich der Regen⸗ bogen über ſanftem Abendlauten, o dieſe Ausſicht vom Thurme! Mein Vetter iſt kein Dichter, weiß den Teufel von Pvetik und Aeſthetik, kennt von Schiller nur den erſten Vers vonFreude ſchöner Götterfunken und von Göthe ebenfalls den erſten Vers vomLande, wo die Citronen blühen, aber die Thränen ſind mir hervorgetreten, als er erzählte von der Ausſicht vom Thurm nach dem Gewitter. Wirbelt aber der Spätherbſt das Laub der Lindenbäume bis in die hei⸗ lige Höhe des Thurmſtübchens, werden die Abende länger, träumen die Mädchen da unten bereits von den Bällen und die Kinder vom nahenden heiligen Chriſt, da greift ſich nach dem Abendlauten der ehr⸗ ſame Calcante des Sprengels, den Meißner Kopf in der Taſche, die finſtere Thurmtreppe hinauf nach dem Himmelreiche meines Vetters; da buttelt alsbald das edle Braunbier milchſchäumend in dem mächtigen zin⸗ nernen Kruge, worin zur größten Delice des Cal⸗ canten ein paar gedörrte, Muscatnuß⸗geriebene Brod⸗ rinden ſchwimmen, da kräuſeln die blauen Wölkchen aus dem ariſtokratiſchen Meißener und aus meines Vetters thönernem Kopfe, da wirft die Lampe ihren vertraulich⸗ſtillen Schein und im Oefchen kniſtert ge⸗ müthlich das dürre Reißig, da fließt behaglich die Wechſelrede der beiden Alten, da rückt man ſich näher über das beliebte Thema der in der Ferne winkenden Neujahr⸗ und Gratulativn⸗Einnahme, da entdeckt man

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