zählte von dem Lerchenjubel, wenn er am blauen Früh⸗ lingsmorgen den alten Thurm umtönt; wie die erſten Schwalben ausruhen auf dem Wetterfähnchen da oben von der langen Reiſe, und die goldenen. ſanften Lüfte die letzten finſteren Winterträume aus den ſteinernen Falten des fünfhundertjährigen Greiſes koſen. Da ſollen— mein Vetter läßt ſich's nicht nehmen— ur⸗ alte Erinnerungen in dem Thurme wach werden, Er⸗ innerungen an die Lerchengeſänge vor fünfhundert Jahren; und was die thörigen Menſchen da unten für Thau halten, der an ſeinen Wänden hinabſickert, das ſind nur die Thränen, die der Urgreis der Er— innerung ſeiner Jugend weint. Geht's uns doch auch nicht beſſer, denken wir an ſie zurück, und meinem Vetter dazu. Er wird auch wieder mit jung und ſchwingt freudiger den Hammer, und die alte Glocke freut ſich mit und ſendet ihre Stimme noch einmal ſo rein und melodiſch hinaus über die Stadt und das duftende Land, den Menſchen dort unten den Früh⸗ ling zu verkünden.
Aber weniger erbaulich iſt es anzuhören, wenn mein Vetter von der Juli⸗Sonne erzählt und dieſe auf das metallene Kreuz herabglüht, daß der Athem ſtockt vor erſtickender Hitze, und wenn dann des Nach⸗ mittags die Gewitterberge heraufziehen ſchwarz und nächtig. Lautlos und bangend liegt da unten die Stadt, Alles hat ſich geflüchtet, nur die Schwalben durchfahren zwitſchernd den ſtillen Luftkreis, aber ru⸗ hig und ernſt ſtreckt der Veteran ſein Haupt in die Wolkennacht. Iſt es doch nicht das erſte Gewitter, das um ſeinen grauen Scheitel tobt, nicht der erſte Sturm, der in ſeinen ſteinernen Locken wühlt. Aber geſchieht dann zuweilen ein Schlag, daß die Grund⸗ feſten der Erde erzittern und Alles zuſammenzuſtürzen


