Teil eines Werkes 
9. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : [1] (1853)
Entstehung
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Har ich doch nimmer geglaubt, daß mein Vetter eine ſo wichtige Perſon wäre. Ja, wer ſäh' es dem kleinen, freundlichen Manne an in der grauen Pikeſche, der verblichenen Weſte und dem ſchwarzen Sammet⸗ käppchen auf den grauen Locken. Aber ſeit ich geſtern in dem alten, grauen Thurme hinaufgeklettert nach ſeinem Adlerneſte und mit ihm durchlebt die lär⸗ menden Stunden des Tages und die ſtillen der Nacht, und herabgeſchaut durch ſeinen trefflichen Dollond in das Leben der Menſchen, iſt mir ſeine Macht klar geworden. Was iſt der König in ſeiner Ge⸗ walt und Herrlichkeit gegen ihn? Er mit ſeinem Hammer iſt der Herrſcher über unſere Freuden, unſere Leiden, der Gewaltige über Leben und Tod. Mit Ehrfurcht und Grauen hab' ich den verhängnißvollen Hammer geſchaut, mit welchem mein Vetter die wech⸗ ſelnden Stunden verkündet an der alten, dumpfen Glocke und den Takt ſchlägt in dem rollenden Rade der Zeit. Er iſt nicht groß und liegt auf dem kleinen Tiſchchen neben der Wanduhr.

Wenn mein Vetter ſeine Memviren ſchreiben wollte über ſein Thürmerleben, könnte einem durch patrio⸗ tiſche Aufopferungen ruinirten Buchhändler wieder auf die Beine geholfen werden. Stunden lang hab' ich da oben in dem alten Großvaterſtuhle des Thurm⸗ ſtübchens geſeſſen und zugehört, wie der Vetter er⸗

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