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mit ſeinem dreijährigen Traugott, einem höchſt drolli⸗ gen Jungen, ſpielt, oder ihm gute Lehren ertheilt. In neueſter Zeit iſt Kappler ſelbſt zu dem in Neukirchen beſtehenden Kegelvereine getreten, denn Kegel ſchiebt er ſchon ſeiner Geſundheit wegen für's Leben gern. Da kann ihn der Leſer in den ſchönen Frühlings⸗ und Sommernachmittagen wöchentlich mehr⸗ mals nach beendeter Expeditionszeit auf der Amalien⸗ höhe, ein Vergnügungsort ganz nahe bei Neukirchen gelegen, erblicken, wie er, in der einen Ecke des Ke⸗ gelhäuschens ſtehend, den Spielern weiſe, durch lange Erfahrung geprüfte Lehren über das Auflegen der Kugel, über Kantiren, den Schnitt und dergleichen ertheilt. Daß ihn jedoch trotz ſeiner Verheirathung und trotz des wohlthätigen Einfluſſes ſeiner Frau noch nicht alle Sonderbarkeiten verlaſſen haben, davon giebt die höchſt verwickelte Rechnung, welche bereits
geraume Zeit ſeinen angeſtrengten Fleiß in Anſpruch
nimmt, einen Beleg; nämlich die Berechnung aller denkbaren Arten, wie die Kegel fallen können, und wo die Kugel antreffen und welche Kegel ſie berühren muß, wenn ſie alle neun oder acht um den König umwerfen ſoll. Der möglichen Chancen hierbei ſind ſo viele, daß der gute Kappler gar nicht begreift, wie das ein Ende nehmen ſoll. Die beigefügten ſehr ſauber ausgeführten Zeichnungen, welche die Rechnung veranſchaulichen, belaufen ſich allein auf etliche achtzig.
Sinkt der Abend nieder, dann erſcheint nicht ſelten die gute Madame Kappler, Traugottchen an der Hand, und holt ihren Mann von der Kegelbahn ab. Dann wandelt das glückliche Paar noch eine Strecke in dem ſchönen Thale dahin und kehrt mit einbrechender Dun⸗ kelheit zu dem unfriedeten Herde.
Nichts ſtort den Seelenfrieden dieſer Glücklichen; ſie ſind vielleicht die Einzigen in ganz Neukirchen,


