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ſtädtchen geworden, gab endlich den vielfachen Bitten und Beſchwörungen Willer's nach, und zog gleichfalls nach der Reſidenz, wo er noch jetzt in höchſt ange⸗ nehmen Verhältniſſen und namentlich mit Willer's auf innig befreundetem Fuße lebt.
Ehe er Neukirchen verließ, ſorgte er noch auf's Wohlwollendſte für ſeinen getreuen Kappler. Da er die Fabrik, wo ihm der ehemalige Sportelſchreiber als Rechnungsführer auf das Gewiſſenhafteſte gedient,
verkaufte, ſo wollte er die Zukunft ſeines alten Freun⸗
des für immer ſicherſtellen und verſchaffte ihm daher vermittelſt ſeiner einflußreichen Verbindung die ein⸗ trägliche Stelle eines Rendanten im fürſtlichen Steuer⸗ amte zu Neukirchen, welche zugleich mit Penſion ver⸗ bunden war.
Wer zählt die Dankesthränen des guten Kappler's, als ihm dieſe neue Wohlthat des Hofcom miſſairs er öffnet wurde. Nun war auch ſein höchſter Erdenwunſch in Erfüllung gegangen. Er konnte heiter und ſorgen⸗ frei der Zukunft entgegen ſchauen.
Was eine gute und kluge Frau über einen Mann vermag, davon lieferte unſer ehemaliger Sportelſchrei⸗ ber einen ſprechenden Beweis. Es war der liebens⸗ würdigen Agnes gelungen, in dem äußern Menſchen Kappler's eine merkwürdige Veränderung hervorzu⸗ bringen. Nicht nur, daß er ſich weniger ſonderbar kleidet, hat auch ſeine übergroße Schüchternheit ſicht⸗ bar nachgelaſſen und er ſich der Geſellſchaft und Ge⸗ ſelligkeit mehr acclimatiſirt. Obſchon er immer noch der ſeelengute, gottesfürchtige, freundliche, höfliche, dienſtbefliſſene und zuvorkommende Mann iſt, ſo weiß er ſich doch einigermaßen freier und gelenker zu benehmen.
In ſeiner Häuslichkeit kann Kappler als das Muſter eines liebevollen Ehemanns und zärtlichen Vaters gel⸗ ten. Nichts iſt rührender anzuſehen, als wenn er


