Teil eines Werkes 
8. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 3. Theil (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

246

die in ihrer großen Beſcheidenheit keinen Feind haben; und ſo wird ihnen die ſo ſeltene Gabe des Himmels zu Theil, daß ſie den Lohn ihrer Tugend bereits hie⸗ nieden genießen.

Weniger Erfreuliches iſt vom Inſpector Sonnen⸗ ſchmidt zu vermelden. Durch die glänzende Laufbahn ſeines Neffen, die er lediglich ſeinem Einfluſſe zu⸗ ſchrieb, hatte er nach und nach einen ſolchen Hoch⸗ muth erlangt, daß faſt kein Auskommen mehr mit ihm war. In gleichem Grade mit dieſem Hochmuthe ſtieg auch ſein Geiz, ſo daß er eines Tages bei der Nach⸗ richt von dem Fallimente einer Fabrik, bei der er mit einigen tauſend Thalern betheiligt war, vom Schlage getroffen wurde und auf der Stelle todt niederfiel. Willer gelangte hierdurch als Univerſalerbe in den Beſitz eines höchſt beträchtlichen Vermögens.

Auch an dem Brückenzollgeldereinnehmer Langſchädel erlebte die Welt wenig Freude. Vergebens hatten weder Eccarius noch der General Geld und Mühe geſcheut, ihn vom Untergange zu retten. Das böſe Prinzip hatte zu ſehr die Oberhand bei ihm gewonnen. Er konnte ſeine Stellung nicht behaupten und ſtarb einige Jahre nach ſeiner Entlaſſung in einer Verſorgungsanſtalt.

Dies iſt die Geſchichte der vier Männer, von denen ſich im deutſchen Leben manche Aehnlichkeit vorfinden dürfte. Auch ſind die Neukirchner geſellſchaftlichen Zu⸗ ſtände zum großen Theile dem Leben nacherzählt. Die Farben ſind hier und da etwas ſtark aufgetragen, doch kommen ſie der Wahrheit immer näher als der Dichtung.

Druck von Alexander Wiede in Leipzig.

*