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glückliche Advocat doch nicht ohne alle Hoffnung das Schloß Ehrenberg.
Willer ſah recht wohl ein, daß der adelſtolze Löwenſtern niemals würde zu bewegen ſein, ſeine Tochter einem bloßen Advocaten zu geben. Er be⸗ ſchloß daher, ſeiner Liebe auch das Opfer einer größern Unabhängigkeit zu bringen, nahm das Erbieten des Miniſters an und trat in den Staatsdienſt. Hier ward ihm Gelegenheit, mit dem regierenden Fürſten wiederholt perſönlich zuſammenzutreffen; der Einfluß des General Kirchner hatte hauptſächlich dieſes Zu⸗ ſammentreffen zu bewirken gewußt. Der Fürſt fand bald Gefallen an dem jungen geiſt⸗ und gemüthrei⸗ chen Manne. Nach Verlauf weniger Monate erhielt Willer das eben ſo wichtige wie ehrenvolle Amt eines Erziehers des Erbprinzen, welches zeither noch nie einem Bürgerlichen war übertragen worden. So füllte ſich die Kluft des Standesunterſchiedes zwiſchen dem liebenden Paare immer mehr. Der alte General betrieb außerdem die Sache ſeines Lieblings mit einem Eifer und einer Ausdauer, als wenn es den Sturm einer feindlichen Feſtung gelte. Dieſer Beharrlichkeit, ſo wie den glücklichen Succeſſen des jungen Willer's in der Reſidenz, gelang es endlich, die noch obwal⸗ tenden Bedenklichkeiten in der Familie Löwenſtern niederzuſchlagen. Willer erhielt nach Verlauf einiger Monate zur Feier von Clara's Geburtstage ein äußerſt ſchmeichelhaftes Einladeſchreiben von dem Herrn Baron und deſſen Gemahlin. Man kann ſich denken, daß der glückliche Willer keinen Augenblick zögerte, davon Gebrauch zu machen, und ſich pünktlich einzufinden.
Clara's ein und zwanzigſter Geburtstag wurde feſtlich begangen. Als aber Alles beim fröhlichen Mahle beiſammenſaß, erhob ſich plötzlich der Herr Baron von Löwenſtern und brachte ein Hoch auf den


