Teil eines Werkes 
8. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 3. Theil (1853)
Entstehung
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und Fröhlichkeit. Clara ſelbſt mußte dem frendezit⸗ ternden Willer den Kranz des Verdienſtes auf die ſchönen Locken drücken.

Als aber der erſte Freudenrauſch vorüber und der junge Rath vom Schloſſe ſcheiden wollte und Löwen⸗ ſtern in ihn drang, die Honorarſumme zu nennen, erwiederte Willer mit dem ihm angeborenen Freimuthe, daß er dieſen Prozeß nicht für Geld geführt habe; er verlange entweder einen himmliſchen Lohn, oder keinen. Zugleich erklärte er offen ſeine Jahre lang gehegte Liebe zu Fräulein. Clara, und daß er ſich ſchmeichle, ſeine Neigung nicht unerwiedert zu finden; worauf er geraden Wegs um die Hand der Geliebten bat.

Dies hatte Löwenſtern allerdings nicht erwartet. Der alte Stolz ſiegte über die wahrhafte Zuneigung, die er für den jungen Mann in ſeinem Herzen fühlte, und er antwortete daher ziemlich kühl, daß, wenn er von dieſem Preiſe eine Ahnung gehabt, er auf den rechtlichen Beiſtand des Herrn Raths allerdings hätte verzichten müſſen.

Ein eben ſo ſonderbarer, wie für Willern glück⸗ licher Zufall wollte es, daß während dieſer verhäng⸗ nißvollen Unterredung der General Kirchner in's Ge⸗ mach trat. Als mehrmaliger Retter der Familie Löwenſtern, wie als vertrauteſter Freund deſſelben, fonnte ihm der Grund der Mißſtimmung, die er bei ſeinen beiderſeitigen Freunden wahrnahm, nicht lange verborgen bleiben. Er fand die Bitte Willer's gar nicht ſo außer der Ordnung, wie es bei dem Baron der Fall war, und durch ſein Anſehen, wie ſeine kräftige Vermittelung, brachte er es wenigſtens dahin, daß Löwenſtern den Heirathsantrag nicht geradezu abwies, ſondern ſich wenigſtens Bedenkzeit und Rück⸗

ſprache mit ſeiner Familie vorbehielt. So verließ derN

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