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reiche General Kirchner dieſe traurige Kataſtrophe nicht mehr abwendig zu machen.
Bereits waren die Endurtheile zweier Inſtanzen zum entſchiedenen Nachtheile der Löwenſtern'ſchen Par⸗ tei ausgefallen, und ſchon zweifelte man nicht mehr, daß auch das entſcheidende letzte Urtheil gegen ſie ausfallen werde, womit der Ruin Löwenſtern's entſchieden war.
Voller Verzweiflung theilte der Baron dem Ge⸗ neral Kirchner dieſe traurigen Ausſichten mit. Die⸗ ſer vermochte jetzt auch nicht mehr zu helfen.
„Der einzige Rath, den ich Ihnen noch zu er⸗ theilen vermag,“ ſprach Seine Excellenz zu Löwen⸗ ſtern,„beſteht darin, daß Sie den jungen Willer zu Ihrem Advocaten annehmen; iſt ein Anwalt vermö⸗ gend, Ihre Sache zu einem glücklichen Ende zu füh⸗ ren, ſo iſt es dieſer geniale Kopf.“
Löwenſtern ſchüttelte trüb' und zweifelsvoll den Kopf; ſein Vertrauen zu den Advocaten überhaupt war in Folge ſeines langwierigen Prozeſſes ſehr geſunken.
„Wohlan,“ erwiederte er endlich nach langem Schweigen,„greift ja der Ertrinkende nach einem Stroh⸗ halm; Ihr Rath ſoll befolgt werden.“
Bereits nach wenigen Tagen ſaß Carl Willer im Archive des Schloſſes zu Ehrenberg, ganz vergraben unter Acten des Jahre langen Rechtsſtreites.
Noch keinen Prozeß hatte der junge Advocat mit ſolcher Liebe übernommen, mit ſolchem Eifer und ſol⸗ cher Energie angegriffen, als den der Löwenſtern'ſchen Familie. Den Beweggrund hierzu wird ſich der Leſer erklären. Tag und Racht arbeitete Willer mit wahr⸗ haft rieſenhafter Beharrlichkeit. Er bot die ganze Schärfe ſeines Geiſtes, den ganzen Schatz ſeiner juriſtiſchen Wiſſenſchaft auf, um ein glückliches Reſultat zu erzielen.
Nach Verlauf zweier Wochen war der Unermüd⸗ liche bereits ſo weit, dem Baron von Löwenſtern er⸗


