Teil eines Werkes 
8. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 3. Theil (1853)
Entstehung
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klären zu können, daß er ſich getraue, binnen Jahres⸗ friſt den Prozeß zu gewinnen.

Der Baron, welcher bereits alle Hoffnung auf⸗ gegeben hatte und in der letztern Zeit in einen wahr⸗ haften Trübſinn verfallen war, wollte dieſen Worten wenig Glauben beimeſſen.

Willer ſetzte ſein begonnenes Werk mit eiſernem Fleiße und bewundernswürdiger Geſchicklichkeit fort. Die Führung des Prozeſſes brachte es mit ſich, daß er oft längere Zeit in den Archiven von Ehrenberg zu arbeiten hatte. Bei ſeinem jedesmaligen Aufent⸗ halte auf dem Schloſſe ward er ſtets zur Mittags⸗ und Abendtafel gezogen, und keine noch ſo kleine Fa⸗ milienfeſtlichkeit gab es, wo er nicht zugegen war. Seine Liebenswürdigkeit im geſelligen Umgange fand man eben ſo intereſſant und angenehm, wie man ſeine Thätigkeit und Unſicht als Rechtsanwalt be⸗ wundern mußte.

Trotz der ſchwierigſten Arbeiten, die ihm im Ar⸗ chive oblagen und die Körper wie Geiſt in gleichem Grade abmatteten, ſo zählte er doch dieſe Tage auf Ehrenberg zu den ſeligſten ſeines Lebens. Täglich erquickte ihn das holdſelige Antlitz und der himmel⸗ volle Umgang der Geliebten. Er würde der außer⸗ ordentlichen Anſtrengung unterlegen haben, hätte ihm nicht der Gedanke, daß er zugleich für Clara arbeite, wunderbare Kraft gegeben.

Bereits nach zwei Monaten zeigten ſich die erſten glüͤcklichen Ergebniſſe der Villerſchen Thätigkeit. Es erfolgte in einer Nebenpartie des Prozeſſes von Seiten des Obergerichts eine ſo günſtige Entſcheidung, daß die Hoffnung zu einem glücklichen Hauptausgange der ſtreitigen Angelegenheit immer feſtern Fuß gewann. Selbſt der Baron begann neu aufzuathmen.

Stolle, ſämmtl. Schriften. VIIl. 14⁴