Teil eines Werkes 
8. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 3. Theil (1853)
Entstehung
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Agnes war durch das ſeltene Opfer, das Kappler, um die Auspfändung zu verhindern, ihr gebracht, der maßen in des Sportelſchreibers engelgutes Herz ver⸗ liebt, daß ſie ſeine übrigen kleinbürgerlichen Seltſam⸗ keiten gern überſah. Sie war überzeugt, daß ſie mit ſolch einer edlen Seele nicht unglücklich werden könne. Zudem erhielt ſie ihr gutes Auskommen, und auf eine anderweite Partie konnte ſie bei ihrer Mittelloſigkeit nicht rechnen; auch ſtand ſie bereits in den Jahren, wo die Mädchen weniger eigenſinnig zu werden pflegen in der Wahl eines Lebensgefährten.

Der überſelige Kappler ward alſo erhört. Was er ſich nie hätte träumen laſſen, war in Erfüllung gegangen. Vierhundert Thaler Gehalt und den Ab⸗ gott ſeiner Seele zur Frau. So belohnt oft der Himmel gute Thaten ſchon hienieden.

Die Hochzeit, welche acht Wochen ſpäter der Hof⸗ commiſſair ausrichtete, war äußerſt ſplendid. Selbſt Seine Epxcellenz der General Kirchner, der fortwäh⸗ rende Freund von Eccarius, beehrte ſie mit ſeiner Gegenwart und hatte ſeine wahre Freude an dem ehrlichen Kappler, den glücklichſten Bräutigam, den es wohl je gegeben hat. Die Jungfer Braut machte ſich ganz allerliebſt und verſprach, die liebenswürdigſte Frau zu werden.

Auch für Langſchädel war der Hochzeittag ſeiner Nichte ein Tag des Segens. Der General und Eeearius hatten zuſammengelegt, ſeine Schulden be⸗ zahlt und ihn vom Untergange diesmal gerettet, je⸗ doch unter der unwiderruflichen Bedingung, daß, ſo⸗ bald man wieder von einem Hazardſpiele höre, dem er ſich hingegeben, er ſofort abgeſetzt und in's Land⸗ arbeitshaus gebracht werden ſollte. Sein Schickſal lag gänzlich in den Händen der beiden genannten Männer; denn ſie allein hatten Kenntniß, daß der