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des Mädchens Herz gänzlich gewonnen. Sie haben hier, Kappler, ich ſage es Ihnen ohne Schmeichelei, eine That vollbracht, um die Sie jeder Edelherzige nur beneiden, und die Ihnen nie ganz belohnt wer⸗ den kann. Zudem bedarf Agnes eines Verſorgers, denn Freund Langſchädel iſt ſicher am längſten Brücken⸗ zollgeldereinnehmer geweſen.“
Wer vermöchte Kappler's Zuſtand nach dieſen Wor⸗ ten des Hofcommiſſairs zu beſchreiben. Er dachte im erſten Augenblicke, es ſei entweder mit ihm oder mit dem Hofcommiſſair nicht richtig. Eccarius mußte erſt ganz umſtändlich werden, ſeine Einmiſchung in die Heirathsangelegenheit mit der angebeteten Agnes ganz ausführlich auseinander ſetzen und motiviren, ehe der Sportelſchreiber dahin gebracht werden konnte, dieſe unerhörte Himmelfahrt nur oberflächlich zu faſſen.
Der Hofcommiſſair ſprach noch ein Langes und Breites und ſo war's und blieb's nicht anders. Kappler war ſo gut wie Bräutigam dek liebenswürdigen Agnes und Rechnungsführer mit vierhundert Thalern fixen Gehalt.
Wie der Sportelſchreiber dieſe Nacht nach Hauſe gekommen, wußte er nicht; fortwährend aber klangen ihm die letzten Worte von Eccarius in den Ohren: „Die Hochzeit werde ich ausrichten!“
Der Hofcommiſſair hielt in Allem, was er ver⸗ ſprochen, redlich Wort. Kappler mußte ſeinen Ab⸗ ſchied als Stadtſportelſchreiber einreichen und ward Rechnungsführer in der Fabrik von Eccarius. Des⸗ gleichen mußte er perſönlich um die Hand von Lang⸗ ſchädel's Nichte anhalten, ein Unternehmen, das für ihn mit den außerordentlichſten Schwierigkeiten ver⸗ bunden war und wozu er ſich nimmermehr verſtanden haben würde, wenn ihm nicht der Hofevmmiſſair that⸗ kräftig zur Seite geſtanden.


