ganz unheimlich, daß von ihm die Rettung Langſchä⸗ del's abhängen ſollte.
„Sie müſſen mir heute noch achtzig Thaler ſchaf⸗ fen,“ ſprach der Lieutnant,„oder ich komme um Amt und Brod und ſpringe in's Waſſer.“
„Allmächtiger Gott, achtzig Thaler!“ jammerte der Sportelſchreiber,„wo ſoll ich dieſe ungeheure Summe hernehmen?“
„Es iſt eine bloße Gefälligkeit von Ihnen, die ich als Freund von Ihnen verlangen kann.“
„Bloße Gefälligkeit—!“ ſtammelte Kappler.
„Nichts weiter,“ fuhr Langſchädel fort,„Sie brauchen das Geld nur aus Ihrer Sportelkaſſe zu nehmen. Bis morgen Mittag haben Sie es von Heller zu Pfennig wieder; der Kreisinſpector iſt an⸗ gekommen und wird bei mir Kaſſenreviſion halten. Es fehlen mir eirea achtzig Thaler; wenn ich dieſe nicht auf ein paar Stunden auftreiben kann, werde ich abgeſetzt und laufe in's Waſſer. Sie ſehen, wie die Sachen ſtehen, und daß hier nicht zu ſpaßen iſt. Alſo werden Sie mir den kleinen Freundſchaftsdienſt nicht verweigern.“
Für den gewiſſenhaften Kappler gab es in dieſer Welt kein größeres Verbrechen, als ſich an vertrautem Gute zu vergreifen. Der Gedanke, daß dem Lieut⸗ nant in ſeiner Brückengeldkaſſe achtzig Thaler fehlten, erregte ihm ein wahrhaftes Grauſen, und er begriff gar nicht, warum Langſchädel unter ſolchen Umſtän⸗ den ſich nicht bereits erſäuft habe. Jetzt nun muthete ihm dieſer daſſelbe Verbrechen zu, ihm, dem gewiſſen⸗ hafteſten und redlichſten Manne unter der Sonne.
„Wie geſagt, ein bloßer Fkeundſchaftsdienſt,“ ſprach der Lieutnant leichtſinnig,„den jeder Kaſſenbeamte dem andern gern erweiſt; ſolche Fälle kommen täglich
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