Sportelſchreibers Innere.„Gott weiß, in welches Fenſter Beier den Schatz geſchleudert hat,“ ſprach er für ſich,„es iſt dunkel, jeder Menſch kann irren. Karl, nachdem er ſeinen Irrthum eingeſehen, traut ſich nun nicht wieder zurück; denn wo ſollte er außerdem ſo lange bleiben? Wär' ich nur ſelbſt gegangen! Wenn ſie das Geld nicht erhält, dann bin ich der unglück⸗ lichſte Menſch, der auf dieſer Erde lebt. Wer weiß, in welchen unheiligen Händen ſich bereits mein liebes Scheinchen, das ich immer wie meinen Augapfel ge⸗ hütet habe, und die ehrwürdige Krone und der herr⸗ liche Species, die einzigen Andenken an meine guten ſeligen Eltern, befinden,
„Mein Gott! wär' ich nur ſelbſt gegangen,“ fuhr er nach einer Pauſe, in dem Stübchen unruhig auf⸗ und niederſchreitend, fort;„ſelber iſt der Mann, das iſt ein altes Sprichwort; am Ende haben ſie Beiern gefangen. Er wird examinirt; Alles kommt zu Protokoll. Es wär' mein Letztes.“
Vergebens leuchteten die Sterne, die Kappler ſonſt mit ſo inniger Freude betrachtete, heute in ganz beſonderem Scheine; der Sportelſchreiber war in Gedanken viel zu ſehr mit ſeinem kleinen Miſ⸗ ſionär beſchäftigt, als daß er zur Aſtronomie aufgelegt geweſen wäre.
Er trat wieder an's Fenſter.
„Eine herrliche Nacht,“ ſprach er,„ich habe den Himmelswagen lange nicht ſo in reinem Glanze ſchimmern geſehen; aber kann man der himmliſchen Herrlichkeiten froh werden, wenn Beier nicht kommt?“
Der Sportelſchreiber lag noch geraume Zeit auf der Folter der ängſtlichſten Erwartung. Endlich pol⸗ terte es auf der Treppe.
„Das iſt er,“ rief Kappler und eilte ſeinem klei⸗ nen Poſtboten entgegen.


