Teil eines Werkes 
8. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 3. Theil (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

34

Kappler, deſſen ſanftes Gemüth nie die Kunſt verſtanden hatte, ſich zu verſtellen, gerieth durch dieſe politiſche Zumuthung Kleinſimon's nur noch mehr in Beſtürzung.

Er vermochte kein Wort zu erwiedern, ſondern machte eine demüthig unterthänige Verbeugung und ſetzte ſich an ſein Pult.

Hier nun gaben ihm die Worte des Stadtrichters vollauf Stoff zum betrübendſten Nachdenken. Der Gedanke, daß ſeine Stellung als Sportelſchreiber in Gefahr ſei, ſchlug ihn total zu Boden. Er wünſchte ſich im erſten Schrecken einen Beinbruch oder ſonſt einen Schaden, der ihn hinlänglich legitimire, wenn er dem Hofcommiſſair keinen Beſuch mehr abſtatte, wie er alle Wochen gewohnt war, wo er regelmäßig bei Eccarius ein gutes Abendbrot einnahm. Er be⸗ griff ſchlechterdings nicht, wie das werden ſolle. Daß der Hofcommiſſair ſogleich Verdacht ſchöpfen werde, wenn er nur eine Woche ausſetze, ſah er voraus. Nun ſollte er ſich gleichwohl, in Folge der anbefoh⸗ lenen Politik, nicht merken laſſen, daß Kleinſimon hinter der Sache ſtecke. Durch welchen Grund ſollte er ſein Außenbleiben entſchuldigen; und befolgte er nicht den Willen ſeines Chefs, ſo drohte ihm Ent⸗ laſſung. Grauſige Ausſicht!

Kappler kam daher wieder einmal ſehr gebeugt nach Hauſe. Kein Biſſen des ſpärlichen Vesperbrots wollte ihm ſchmecken, obſchon ſeine Wirthin die in⸗ tereſſanteſten Stadtneuigkeiten und die anmuthigſten Hiſtorien aus ihrem thatenreichen Leben vortrug.

Aus des Sportelſchreibers zerſtreuten Antworten erkannte die Erzählerin, daß ihrem Miethsmanne und Koſtgänger etwas Außergewöhnliches zugeſtoßen ſein müſſe. Sie befürchtete, die Liebe zur Madame Runkel