Teil eines Werkes 
8. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 3. Theil (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

28

ſtaben auswendig lernen. Er machte häufig Excur⸗

ſivnen in die Umgegend, um diejenigen Orte auszu⸗ kundſchaften, wo Schätze vergraben lägen. Obſchon er zeither noch zu keinem günſtigen Reſultate gelangt und ſtets ohne Beute nach Hauſe zurückgekehrt war, ſo ließ er gleichwohl die Hoffnung nicht ſinken. Der Gegenſtand war ihm von zu hohem Intereſſe, als daß er ihm nicht hätte ſein ganzes Sinnen und Trach⸗ ten widmen ſollen. Das Schatzgraben ging mit ihm zu Bette und ſtand mit ihm auf. Kein Wunder, daß ihm dieſe hochwichtige Angelegenheit auch im Schlafe keine Ruhe ließ. Leider war aber Langſchädel's Traum⸗ gott ein höchſt ſonderbarer und eigenſinniger Kauz. Er ſchüttete zwar dem glücklichen Schläfer alle Nächte große Gold- und Silberhaufen auf, aber bezeichnete nie den Ort, wo ſelbige zu finden ſeien. Langſchädel ſtieg ſtets mit dem eifrigſten Wunſche zu Bette, daß ihm Freund Morpheus doch den Gefallen erweiſen und ein Licht über anberegten Gegenſtand aufſtecken möge; aber, wie geſagt, des Lieutnants nächtlicher Genius hatte ſeine Launen. Indeß verzweifle Nie⸗ mand; auch Langſchädeln ſollte endlich der Wunſch ſeines Herzens erfüllt werden; der Traumgott hatte ſich erbitten laſſen und zeigte eines Nachts Ort und Stelle, wo ein reſpectabler Schatz zu finden ſei. Die⸗ ſer Ort war aber kein anderer, als die Ruinen des ehemaligen Benediectinerkloſters, ein halbes Stündchen von Neukirchen, oberhalb der Werla gelegen. Die nächtliche Viſion war diesmal ſo gefällig, dem ſchlum⸗ mernden Langſchädel auf's Genaueſte mit den Locali⸗ täten bekannt zu machen, ſo daß er gar nicht fehlen konnte. Als er daher aufwachte, ſprang er wie be⸗ hext aus dem Bette. Der verhängnißvolle Traum ſtand klar und deutlich vor ihm.