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ein Anſehen, wenn ich mit dem Herrn Superindenten in gelahrtem und erbaulichem Geſpräche langſam die Promenaden auf- und abwandle. Wie fliegen aller— orts die Deckel ehrerbietig von den Köpfen. Man dankt mit gnädigem Kopfnicken. Ehedem feixte Unſer⸗ einen der grobe Janhagel an, ohne ſich zu rühren. Es war eine Sünd' und Schande. Das iſt jetzt, wo ich gleichſam als Stück geiſtliche Perſon einherſchreite, ganz anders. Auch der himmliſche Segen bleibt nicht aus. Seit ich den Klingelbeutel und Kirchenſtock reichlicher bedenke, mache ich mir ſchon kein Gewiſſen mehr, von meinen Schuldnern ein paar Procentchen mehr zu verlangen. Was thut's denn? ueber kurz oder lang kommt es dem lieben Gott und den Armen doch wieder zu gute. Ja, es geht doch nichts über einen gottesfürchtigen Lebenswandel. Ich hätte mir das ehedem, als ich noch in meiner freigeiſtiſchen Be⸗ ſchränktheit mit ſtolzem, hoffärtigem Sinne einherſtol⸗ zirte, gar nicht träumen laſſen. O, die Demuth iſt zu allen Dingen nütze.
„Auch daß ich mich,“ fuhr Sonnenſchmidt in ſei⸗ nem höchſt erbaulichen Selbſtgeſpräche fort,„von den rauſchenden Vergnügungen zurückgezogen, hat ſein Gu⸗ tes. Man zeigt der eitlen Welt, daß man ihre Eitel⸗ keiten entheſen kann, und erſpart ſich Ausgaben.“
Der Inſpector hatte wirklich durch ſein ſcheinhei⸗ liges Weſen iſt neuerer Zeit bei vielen Leuten an An⸗ ſehen gewonnen; nur der Hofcommiſſair ließ ſich nicht verblüffen. Er durchſchaute den neugebackenen Him⸗ ärgerte ſich über deſſen Heuchelei und chikanirte ihn, wo er nur konnte. Unlängſt hatte er ihn ſogar vor einer ziemlichen Anzahl Leute einen „grauen Sünder“ genannt. Sonnenſchmidt ging da⸗ her ſeinem Widerſacher aus dem Wege, wo er konnte.


