er allemal eines ganzen Vormittags. Daher wandte ſich Langſchädel auch nur im äußerſten Nothfalle an Sonnenſchmidten.
Der Inſpector war, wie erwähnt, ſeit den geſpen⸗ ſtiſchen Erſcheinungen im vorigen Spätherbſte von ſei⸗ ner Freigeiſterei zurückgekommen und äußerſt fromm geworden. Dieſe Frömmigkeit erſtreckte ſich indeß le⸗ diglich darauf, daß er die Kirche beſuchte, ſich von den rauſchenden Vergnügungen zurückzog und häufig mit der Geiſtlichkeit verkehrte; auf den innern Men⸗ ſchen war dieſe Umwandlung von durchaus keinem Be⸗ lang geweſen, ja ſie hatte ſogar den nachtheiligen Einfluß, daß der Inſpector aus einem ſparſamen ein geiziger Mann geworden war, der ſich ſelbſt nicht ſcheute, wucheriſche Zinſen zu nehmen. Er betrach⸗ tete, wie man dies ſo häufig findet, ſein Kirchengehen, ſeinen Morgen- und Abendſegen als eine bequeme Eſelsbrücke, in den Himmel zu gelangen, und befand ſich ganz behaglich dabei. Wenn er ſeinen Geſang⸗ buchvers geleſen, ſo glaubte er ſich des lieben Gotts und des Himmels vollkommen verſichert und folgte nun ſeines Herzens irdiſchen Gelüſten weit ſchlimmer, als früher. Da ſeit jener Schreckensnacht auf dem Rathskeller die Geiſter nichts wieder hatten von ſich vernehmen laſſen, ſo lebte er der beruhigenden Ueber⸗ zeugung, daß ſie mit ſeinem Thun und Laſſen voll⸗ kommen zufrieden wären. Oft mußte er daher, wenn er mit Wohlgefallen in ſeinen Zinsbüchern blätterte, lächeln.
„Hätt' ich mir doch nicht träumen laſſen,“ ſprach er,„daß das Frommſein eine ſo ganz charmante und überdies höchſt bequeme Sache iſt. Bei meiner ehema⸗ ligen Freigeiſterei befand ich mich lange nicht ſo wohl, wie gegenwärtig. Was gibt das zum Beiſpiel für


