21
Der Herr Lieutnant befand ſich nämlich fortwäh⸗ rend in Geldverlegenheit und da waren es dann im⸗ mer die zwei ſo eben erwähnten Männer, zu welchen er ſeine Zuflucht nahm.
Der Hofcommiſſair, welcher Langſchädel's bedrängte Lage ſehr bald durchſchaut hatte, machte ihm die ernſt⸗ lichſten Vorſtellungen.
„Wenn Sie ſich nicht einſchränken,“ ſprach er, „und namentlich von Ihrem verwünſchten Spiele nicht laſſen, erlebe ich's, daß Sie um Amt und Brot kom⸗ men. Gehen Sie in ſich, Sie ſind kein Kind. Ich will Ihnen diesmal noch aushelfen; aber ſobald ich erfahre, daß Sie wieder bei Rehfeld's geſpielt haben, erhalten Sie keinen Pfennig wieder. Schämen Sie ſich denn nicht? eim Angeſtellter, dem überdies öffent⸗ liche Gelder anvertraut ſind, und treiben ſich unter Gaunern umher.“
Wenn Langſchädel bei dem Hofcommiſſair um ei⸗ nen kleinen Vorſchuß einkam, ſo ſagte ihm dieſer ſtets unverholen ſeine Meinung, aber kurz und bündig, ohne viel Worte zu machen, und gab das Verlangte. Bei Sonnenſchmidt war dies ganz anders. Dieſer lamentirte erſt eine halbe Stunde über ſchlechte Zei⸗ ten, klagte wie die Gelder ſchlecht eingingen, welche bedeutende Ausgaben er in jüngſter Zeit gehabt; wie viel ihm ſein Neffe koſte, der Studioſus juris; dann hielt er dem Lieutnant wieder eine halbſtündige Buß⸗ und Straf⸗ und Ermahnungspredigt wegen ſeines Haus⸗ halts, ſetzte ihm weit und breit auseinander, wie das zu keinem guten Ende führen könne, wozu er wieder eine halbe Stunde brauchte; und wenn der verzweif⸗ lungsvolle Langſchädel, von ſeinen Gläubigern auf's Blut gepeinigt, mit Bitten nicht nachließ, und Son⸗ nenſchmidten endlich bei ſeinem frommen, chriſtlichen


