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ſes war aber mit ſo viel Zartheit, Humanität und Liebenswürdigkeit abgefaßt, der Hofcommiſſair wußte der ganzen Sache ein ſo nobles Anſehen zu geben, daß es den Anſchein gewann, als habe er weit mehr als Seine Excellenz zu gewinnen, wenn letztere die Gnade haben wollte, das in der That großmüthige Anerbie⸗ ten anzunehmen.
Der alte Mann war auf's Tiefſte ergriffen. Als Willer mit dem Briefe zu Ende, erwiederte er kein Wort, ſondern klingelte und befahl dem eintretenden Kammerdiener, den Wagen vorfahren zu laſſen.
Der Student wußte im erſten Augenblicke nicht, was er hiervon denken ſolle. Er frug daher:„Ew. Excellenz wollen ausfahren?“
„Ja wohl, mein Sohn,“ war die Antwort des Generals,„und Du ſollſt mich begleiten. Ich muß die nähere Bekanntſchaft eines Mannes machen, den man mir Jahre lang als boshaften Menſchen ver⸗ ſchrieen, dem ich in meiner Leidenſchaftlichkeit viel Weh zugefügt und den ich leider ſo ſpät erſt als einen braven, edelherzigen Mann kennen lerne. O, man traue nur gehäſſigen Einflüſterungen und ſogenannten guten Freunden!“
Bereits nach Verlauf einer Viertelſtunde fuhren die Beiden nach der Wohnung des Hofcommiſſairs.


