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eher verkaufe ich Garten und Haus an den Erſten Beſten und ſuche mir auf irgend einem ſtillen Win⸗ kelchen der Erde ein kleines ſervitutenfreies Plätzchen, wo ich vor dem Hofcommiſſair Ruhe habe.“ „Vielleicht würde der Herr Eccarius,“ gab Bei⸗ fuß zu bedenken,„ſich doch vielleicht gegen eine an⸗ ſehnliche Ablöſungsſumme bereitwillig finden, auf ſein Recht zu verzichten; er ſoll in vielen Dingen ein recht billigdenkender Mann ſein.“ „Auf ſein Recht verzichten? Beifuß, wie ſpricht Er wieder! Ich frage Ihn bei Seinem geſunden Menſchenverſtande, wo hier vom Recht die Rede ſein kann, wenn ich durch einen mir ganz fremden, wohl⸗ angelegten und wohlummauerten Garten einen Fahr⸗ weg beanſpruche; wenn das nicht der bodenloſeſte Un⸗ ſinn und das himmelſchreiendſte Unrecht zugleich iſt, ſo weiß ich nicht, was man heut zu Tage unter Menſchenverſtand und Recht eigentlich verſteht.“ Beifuß mochte ſich in keine Discuſſionen und De⸗ finitionen über die Begriffe von Menſchenverſtand und Unrecht einlaſſen, weil er wußte, daß er bei ſolchen Streitfragen gegen ſeinen Herrn nie auskam. Der alte General liebte keine langen parlamentariſchen Debatten, darum waren ihm auch die Landtage ſo zuwider, ſondern er zerhieb, wie einſt Alexander, die ſchwer zu löſenden Knoten mit dem Schwerte; das hieß bei ihm aber ſo viel wie„Beifuß, halt' Dein Maul, oder ich werfe Dich zur Thür hinaus.“ Da⸗ her ging die Excellenz gegen ihren Kammerdiener ſtets als Sieger aus allen philoſophiſchen Disputationen, die ſich oft bis zur Metaphyſik erhoben, hervor. Beifuß kam daher auf ſeinen guten Rath zurück, daß Seine Excellenz ſich möge mit dem Hofcommiſ⸗ ſair durch eine Ablöſungsſumme abfinden.


