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höchſt grauſame Urtheil? Ich dächte denn doch, alle zeitherigen wären ſchon grauſam genug geweſen, daß ſie gar nicht ſchlimmer kommen könuen!“
Beifuß mußte jetzt das beiliegende Urtheil der letzten Inſtanz öffnen und vorleſen. Aber je weiter er las, deſtv dunkelfarbiger ward das Geſicht des Gene⸗ rals, deſto ſichtbarer trat die Zornader auf ſeiner Stirn hervor; convulſiviſch ballte ſich ſeine Hand; als aber der Vorleſer zu der Sentenz kam, daß Beklag⸗ ter ſofort den Fahrweg durch ſein Grundſtück wieder⸗ herzuſtellen habe, knickte der General wie eine alte Eiche zuſammen.
Der erſchrockene Beifuß, welcher nicht anders glaubte, als ſeine Excellenz habe der Schlag gerührt, ſprang eiligſt hinzu und hielt dem General ein Riech⸗ fläſchchen, das er ſtets bei ſich zu tragen pflegte, unter die Naſe.
„Es iſt kein Wunder,“ ſprach der mit der Wie⸗ derbelebung ſeines Herrn beſchäftigte Kammerdiener, „daß er einen Knax bekam; dieſes Urtheil wirft ein Vieh um.“
Nach ungefähr zwei Minuten, in welchen es Bei⸗ fuß an Rütteln, Aufknöpfen und Reiben nicht hatte fehlen laſſen, kam die Excellenz wieder zu ſich, aber nur um ihrer Wuth um ſo freiern Lauf zu laſſen. So wild hatte der Kammerdiener ſeinen Herrn im Leben nicht geſehen. Er begann ordentlich ſich zu fürchten. Der General ſchwur in der erſten Hitze hoch und theuer, erſt den Doctor Bock höchſteigen⸗ händig todt zu ſchlagen, dann den Urthelsverfaſſer umzubringen, ſeinen Garten zu verwüſten, zum Lan⸗ desfürſten zu reiſen, damit dieſer das verbrecheriſche Urtheil durch einen Gewaltſtreich vernichte. Er nahm ſich gleich ſo vielerlei Dinge mit einander vor, daß
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