Teil eines Werkes 
8. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 3. Theil (1853)
Entstehung
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Der Doctar Bock ging natürlich mit der Sprache nicht ſogleich heraus. Er ſprach im Anfang über dies und das, ließ einige moraliſche und philoſophiſche Floskeln einfließen, ſprach von der ſittlichen Würde des Menſchen, welche die Macht beſitze, dem größten Mißgeſchick kühn die Stirn zu bieten.

Der General rutſchte in ſeiner Ungeduld auf dem Sopha wiederholt auf und nieder.

Ich glaube, dieſer Satan iſt übergeſchnappt, ſprach er endlich, als die moraliſche Einleitung, zu⸗ mal Beifuß, wie ſeine Gewohnheit war, ziemlich langſam buchſtabirte, gar kein Ende nehmen wollte, ſeit wann iſt denn der Doctor Bock eine moraliſche Perſon geworden? Davon hab' ich nie etwas gewußt.

Jedesmal, wenn der General ſeinem Aerger Luft machte, hielt Beifuß ehrerbietig mit Leſen inne, und fuhr, den Finger auf die Stelle, wo er ſtehen ge⸗ blieben war, haltend, erſt dann wieder fort, wenn er ausdrücklichen Befehl dazu erhielt.

Weiter! ſchrie die Excellenz, über Beifußen's fortwährende Pauſen, wie über die ſalbungsreiche Einleitung im gleichen Grade erbittert.

Der Kammerdiener gehorchte. Nachdem der Doe⸗ tor Bock dem General hinlänglich ſittliche Kraft an⸗ empfohlen, ward er religiös und kam auf das Chriſtenthum.

Der Kerl raſ't, rief Kirchner, der jetzt zu wüthen begann;Beifuß, elender Kammerdiener, ſteht denn wirklich Alles ſchwarz und weiß im Briefe, was Du da vvorlieſt?

Strich vor Strich, Excellenz, rapportirte Beifuß.

Ich glaube, der Brief iſt gar nicht an mich!

Soll ich Ew. Epcellenz die Titel wiederholen?

Ich laß Dich hängen, wenn Du Dich unterſtehſt!