Teil eines Werkes 
7. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 2. Theil (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

164

Einem in's Meer Gefallenen, beim Anblicke eines Haifiſches mit geöffnetem Rachen kann unmöglich ſchlim⸗ mer zu Muthe ſein, als dem Fräulein Adele von Lie⸗ benrode beim Anblicke des Studenten an der Seite ihres Onkels.

Während ſie ſich die ganze Zeit der geheimen Hoffnu. z und Freude hingegeben, daß die adeligen Herren den frechen Bürgerlichen ohne weitere Um⸗ ſtände längſt die Rathhaustreppe hinabgeſtürzt, damit ihm die Luſt, mit hochadeligen Damen zu tanzen, ein für allemal vergehe, kam der Halbtodtgeglaubte an ihres eignen Onkels Seite und, wie es ſchien, im freundſchaftlichſten Geſpräche daher.

Wenn das Ungeheuer, dachte ſie bei ſich,mit mir tanzen will, bin ich des Todes, und gleichwohl darf ich einen Tanz nicht abſchlagen, wenn mir der Onkel dieſen Menſchen vorſtellt. Wie in aller Welt ſind dieſe Beiden zuſammen gekommen? Der General iſt ja von ſeiner Vorliebe für den bürgerlichen Pöbel längſt geheilt. O wär' ich nur dies Einzigemal zu Hauſe geblieben. Aber mag's werden wie es will, ich tanze nicht. Ich könnte mich im Leben nicht wieder vor Ponikau's blicken laſſen. Sobald er mir die Hand reichen will, falle ich um und bekomme Krämpfe. Krämpfe ſind noch das einzige Mittel, das auf Onkel Bär einigen Eindruck macht. Die kann er nicht mit anſehen und läuft davon.

Während Fräulein Adele ſolche herviſche Ent⸗ ſchlüſſe faßte und in Erwartung des Schlimmſten ängſt⸗ lich und verſtockt daſaß, zog die Gewitterwolke gnä⸗ dig vorüber. Der General führte nämlich Willern direct zu Clara von Löwenſtern, welches ſchöne Mäd⸗ chen er ſeinen Liebling nannte. Er präſentirte ihr den Studenten mit den Worten:Ich bin überzeugt,

Stolle, ſämmtl. Schriften. vII. 11