Teil eines Werkes 
7. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 2. Theil (1853)
Entstehung
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laſſen, hatte ſich dennoch eines Beſſern beſonnen, nach⸗ dem man vernommen, daß die alte Excellenz vom Nachhauſefahren nichts habe wiſſen wollen. Wie ſehr man ſich auch in vielen Dingen nach der Familie von Ponikau zu richten pflegte, ſo hatte doch ein bedeu⸗ tender Theil des Neukirchner Adels aus oben ange⸗ deuteten Gründen alle Urſache, es mit dem General nicht zu verderben; ſie waren ihm die zarteſten Rück⸗ ſichten ſchuldig. Zudem war Fräulein von Lieben⸗ rode, nachdem ſie mit ihrem dietatoriſchen Befehle nach Hauſe zu fahren ſo übel angekommen, überall umhergegangen und hatte die befreundeten Familien beſchworen, ſie nicht zu verlaſſen; ſie beweinte und bejammerte den tyranniſchen Sinn ihres Onkels; aber fort durfte ſie demungeachtet nicht und wenn ſie aus einer Ohnmacht in die andere gefallen wäre. Das Inohnmachtfallen, welches ſie früher ſehr liebte, hatte ſie ſich darum nach und nach ganz abgewöhnt.

Welche ultraariſtokratiſche Geſinnung dieſe hoch⸗ müthige Dame auf der einen Seite an den Tag legte, namentlich wenn ſie mit Ponikau's in Geſellſchaft war, einen eben ſo verhältnißmäßigen Reſpect hatte ſie auf der andern Seite vor ihren Oheim. Wenn der General Etwas befahl oder wünſchte, ſo galt der unbedingteſte Gehorſam; bei der geringſten Miene von Widerſetzlichkeit und Ungehorſam begann ein Donner⸗ wetter, daß Himmel und Erde zitterten.

Daher wagte Fräulein Adele auch am Ballabende im Geringſten nicht, ſich der Ordre des Generals zu widerſetzen und war zum Dableiben gezwungen. Ihre Geduld ſollte indeß auf noch härtere Proben geſtellt werden, als ſie ihren Onkel im freundſchaftlichſten Ge⸗ ſpräch mit dem Student Willer gerade auf ſich zu⸗ kommen ſah.