Teil eines Werkes 
7. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 2. Theil (1853)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

157

Rechtsanwaltes fiel auf den Dr. juris Bock. Dies war ein Mann, der weit und breit durch die eminente Geſchicklichkeit berühmt oder vielmehr berüchtigt war, die einfachſten und unbedeutendſten Sachen, nament⸗ lich wenn er vorausſah, daß ſie nicht zu gewinnen waren, durch zahlloſe Exceptionen und geſchickt ein⸗ geſtreute Verwickelungen auf wahrhaft beiſpielloſe Weiſe in die Länge zu ziehen.

Als ihm die Sache wegen des Fahrwegs, welchen der Hofcommiſſair beanſpruchte, übertragen wurde, ſah er ſogleich ein, daß dieſer Prozeß zu gewinnen eine abſolute Unmöglichkeit ſei, ſo klar lag das Recht des neuen Fabrikbeſitzers auf der einen und das Un⸗ recht des Generals auf der andern Seite. Gleichwohl überlegte der Doctor Bock, daß, da ſich Kirchner für die Sache leidenſchaftlich intereſſire, derſelbe auch die Louisd'vre nicht anſehen werde, und ſo beſchloß er, ein wahres Meiſterſtück in ſeiner Art, Prozeſſe zu führen, zu liefern. Dies gelang ihm auch wirk⸗ lich auf außerordentliche Art. Der Prozeß währte nicht weniger denn neun ganzer Jahre und koſtete dem General, die zahlloſen Entſchädigungsgelder für den Hofcommiſſair eingerechnet, bereits die Summe von fünftauſend Thalern. Den Aerger, den der Ge⸗ neral außerdem wegen dieſer Sache zu erdulden hatte, war gar nicht zu berechnen. Wenn man ſagen wollte, daß Seine Excellenz während der neun Jahre den Hofcommiſſair einige hunderttauſend Mal in den tief unterſten Höllenpfuhl verwünſcht habe, ſo wäre dies keine Uebertreibung. Unzählige Mal hatte der alte Krieger erklärt, daß dieſer haarſträubende Prozeß der Nagel zu ſeinem Sarge ſei.

In der neueſten Zeit mußte aber Doctor Bock, der die neun Jahre daher immer fidel geweſen war