Teil eines Werkes 
7. Band, Deutsche Pickwickier : komischer Roman : 2. Theil (1853)
Entstehung
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Keiner wagte, dem alten Krieger zu widerſprechen, der zuweilen, wenn man's an ihn brachte, ein gar ſtrenges Regiment führte. Sein Anſehen unter dem Adel von Neukirchen war außerordentlich, und letzterer mußte ſich, zumal wenn der Alte übler Laune war, viel gefallen laſſen. Erſtens zählte der General nicht weniger denn vierundſechzig Ahnen, worauf freilich er ſelbſt am wenigſten gab; dann gehörte er zu den ſpe⸗ ciellen Freunden des Landesfürſten; ferner behauptete er hinſichtlich ſeines Ranges unter der Neukirchner Ariſtokratie den erſten Platz und endlich befanden ſich auch ſeine Mittel in ſo glänzenden Umſtänden, daß ſich kein Adeliger in der Nähe und Ferne mit ihm zu meſſen vermochte. Da faſt die halbe Ritterſchaft von Stadt und Umgegend in ſeinen Büchern ſtand, ſo konnte er ſich auch Manches gegen dieſe adeligen Herren herausnehmen. Man zuckte in ſolchen Fällen die Achſeln, nannte die Excellenz unter ſich einen alten Huſaren, der mit der feinern Geſittung nicht fortgeſchritten ſei und dem man daher Manches zu Gute halten müſſe.

Der General war vom Landesfürſten, der den alten Degen wahrhaft kindlich verehrte, wiederholt eingeladen worden, ſeinen Wohnſitz in der Reſidenz aufzuſchlagen, damit ſie ſich öftrer ſehen und ſprechen könnten; aber Kirchner hatte ſeinem fürſtlichen Freunde, wie dies ſeine Art war, offen heraus erklärt, daß er das Hofleben und die davon unzertrennliche Etiquette nicht leiden könne. Er lebte daher bereits ſeit einer geraumen Reihe von Jahren in Neukirchen, deſſen Gegend ihn ungemein anzog. In den erſtern Jahren hatte er ſich's viel Mühe koſten laſſen, zwiſchen Adel und Bürgerthum ein geſelligeres und freundlicheres Verhältniß herzuſtellen; aber weder bei erſterm noch