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übertriebene Demuth von der einen und unſinnigen
Hochmuth von der andern ſind die Sachen eben ſo verteufelt ſchlimm geworden. Ich bin ein alter Knax, ich habe genug geeifert gegen den Heidengreuel, aber es hat Nichts geholfen, endlich bin ich der Sache überdrüſſig geworden; aber ich freue mich allemal, wenn ich einen tüchtigen Menſchen antreffe, der Kopf und Herz auf dem rechten Flecke hat und der wenig Federleſens macht mit abgeſchmacktem Uebermuthe, ſondern den geraden Weg geht, wie ſich's gebührt. Es ſoll mich freuen, mein Herr Student, Ihre nä⸗ here Bekanntſchaft zu machen.“ Während der Gene⸗ ral mit Willern ſprach, erſchien ein Diener, welcher dem alten Kirchner meldete, daß der Wagen vorge⸗ fahren ſei.
Kirchner ſah den betreßten Burſchen mürriſch an.
„Was fällt dem Eſel, dem Johann ein,“ ſprach er,„ich will ja noch gar nicht fort.“
„Das gnädige Fräulein haben befohlen,“ erwie⸗ derte der Diener.
„Meine Nichte? Was fällt der ein?“
„Das gnädige Fräulein,“ fuhr der Betreßte fort, „gibt Ew. Excellenz zu bedenken, daß Frau von Po⸗ nikau nebſt Fräulein Töchtern bereits den Ball ver⸗ laſſen haben.“
„Aha, ich merke,“ nickte der alte General;„ſag' Er jetzt einmal dem Johann, daß er wieder nach Hauſe fahren und ausſpannen ſolle; und meiner Fräulein Nichte ſage Er, ſie möge ſich's immer noch ein Weil⸗ chen gefallen laſſen.“
„Allons, meine Herren,“ wandte er ſich wieder zu den adeligen Herren,„was wollen Sie noch hier? Hinaus auf den Tanzſaal, dort, wo die tanzluſtigen Damen Ihrer harren, iſt Ihr Terrain.“ Stolle, Sämmtl. Schriften. vll. 10


