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Meinung zu ſein. Was Sie da als kleine Ueberei⸗ lung bezeichnen, halte ich nach meinem geſunden Men⸗ ſchenverſtande für abſichtliche Impertinenz.“—
„Mein Herr,“ unterbrach hier der Vorſteher,„ich muß Sie bitten, ſich hinſichtlich Ihrer Ausdrücke—“
„Deutſcher Worte zu bedienen, nicht wahr?“ fuhr Willer mit erhobener Stimme fort,„alſo ab⸗ ſichtliche Unverſchämtheit, wie Sie wollen. Se⸗ hen Sie, mein geehrteſter Herr von Goldberg, wenn man ſolche bei einem ganz gemeinen Weibe findet, wird man vielleicht weniger Notiz davon nehmen, weil ſich da nicht viel Beſſres erwarten läßt; macht ſich aber eine ſogenannte gebildete Dame einer Unver⸗ ſchämtheit ſchuldig, ſo iſt es jeder Gebildete ſchon der Ehre ſeines Standes ſchuldig, dieſe falſche Primadonna zu entlarven und ihr den bloße Gemeinheit verhüllen⸗ den heuchleriſchen Schleier abzuziehen.“
Durch dieſe Worte Willers, welche er dem ade⸗ ligen Harmonievorſteher zur Antwort gab und die er mit ſehr vernehmbarer Stimme ſprach, ſo daß ſie von den im Zimmer anweſenden größtentheils jungen Ade⸗ ligen deutlich verſtanden werden konnten, wurde der Zorn der letztern gegen den bürgerlichen Studenten noch mehr aufgeregt. Die Leidenſchaft übertänbte, wie dies in ſolchen Fällen in der Regel ſtattfindet, immermehr das Gefühl für Recht und Sitte. Nicht eben cavaliergemäße Drohworte wurden gegen Willern vernehmbar. Man ſprach geradezu von gewaltſamer Entfernung des Verhaßten. Vergebens gab ſich der Hofcommiſſair alle Mühe, den jungen Hitzköpfen zur Vernunft zu reden. Seine Stellung zu dem Adel war aber leider von der Art, daß ſeine Gegenwart zur Beruhigung der Gemüther weit mehr von Nach⸗ theil denn von Nutzen war. Auch gegen ihn fielen


