29
„Geſchwätz!“ donnerte der Vorreiter,„im Namen meines gnädigen Herrn, des Baron von Löwenſtern, befehle ich, die Bahn ſofort frei zu machen.“
„Der Herr Baron,“ entgegnete mit vieler Ruhe der Zimmermann,„haben hier gar nichts zu befehlen.“
Der Vorreiter wollte verzweifeln. Vergebens ſchweiften ſeine Blicke nach irgend einer Lücke und einem Durchgange; Alles war wohl verſchanzt. Er erkannte die Unmöglichkeit, hier mit Gewalt durchzu⸗ kommen, und begann nachzugeben, indem er höflicher wurde und die Arbeiter erſuchte, das Hinderniß aus dem Wege zu räumen.
„Incommodiren Sie ſich nicht,“ gab der phleg⸗ matiſche Zimmermann zur Antwort.„Ein Wort wie tauſend, hier paſſirt Niemand.“
Während der Vorreiter noch parlamentirte, langte unter Paukenſchlag und Kling und Klang der Mufi⸗ kantenſchlitten wohlbehalten an. Der Mohr erregte bei dem Barricadenpublikum ebenfalls allgemeine Be⸗ wunderung. Doch die Verwunderung der blaſenden Muſiker war noch größer, als das Fuhrwerk plötzlich ſtill ſtand und man mit Schrecken den großartigen Damm erblickte. Der Vorreiter, nachdem er ſeine Ueberredungsgabe erſchöpft hatte, galoppirte den Schlit⸗ tenzug, der von Augenblick zu Augenblick mehr in's Stocken gerieth, entlang, um ſeinen Gebieter von dem außerordentlichen Ereigniß in Kenntniß zu ſetzen.
Löwenſtern, ob der unverhofften Stockung, deren Urſache er noch nicht kannte, unmuthig, fuhr den Be⸗ richterſtatter hart an.
„Er iſt toll,“ rief er,„das iſt ja unmöglich!“
Der Vorreiter beharrte bei ſeiner Ausſage.
Jetzt ſprangen Löwenſtern und Fellenberg aus ihren Schlitten, um ſich perſönlich von dem Unglaub⸗


