2
5
nur ein halbes, ein Viertelchen von ſo einem Ritter⸗ gute beſäß, wer weiß, was geſchähe. Der Herr Lieut⸗ nant ſcheinen mir nicht abgeneigt.
„Aber nein, Sportelſchreiber,“ fuhr er nach einer Pauſe für ſich fort,„ſei nicht hoffärtig; welch über⸗ müthige Gedanken durchkreuzen dein Gehirn; Demuth hat Gott lieb. Laß dich nicht verlocken. Du malſt an einem Glück, das hienieden nicht zu erreichen. Laß dich nicht verblenden durch trügeriſche Hoffnung. Wer hoch ſteigt, fällt tief. Kappler, ſchlag dir ſolche Gedanken aus dem Sinne und wandle beſcheiden die Wege wie zeither. Der Name des Herrn ſei geprie⸗ ſen von Anfang bis an's Ende. Hallelujah! Amen!“
Langſchädel, nachdem er in Kappler's Herzen einen wahren Sturm zu Wege gebracht, war im Begriff, dem leichtgläubigen Manne eine neue groteske Lüge aufzuheften. Es hatte ihm ſchon lange das Herz ab⸗ gedrückt, daß er von ſeinem Piſtolenduelle gegen Je⸗ dermann ſchweigen mußte, weil er die Rache des Hof⸗ commiſſairs fürchtete. Er fühlte es täglich mehr, daß er ſich innerlich aufreiben würde, wenn er ſich Nie⸗ mandem entdecken dürfe. Ein ſolches Geheimniß län⸗ ger für ſich zu behalten, erſchien ihm eine Marter der Hölle. Kappler war der einzige Menſch, von wel⸗ chem er wußte, daß er ihn, ohne Gefahr verrathen zu werden, in's Vertrauen ziehen konnte. Die Ge⸗ legenheit zeigte ſich heute gleichfalls günſtig. Er be⸗ fand ſich mit dem Sportelſchreiber faſt ganz allein.
Während alſo Kappler's Gedanken hinſichtlich Lang⸗ ſchädel's Nichte noch in überirdiſchen Regionen ſchweb⸗ ten, faßte der Lieutnant den Sportelſchreiber krampf⸗ haft am Arme und zog den etwas Erſchrockenen in die Vertiefung eines Fenſters.
„Kappler,“ ſprach er mit gedämpfter Stimme,


