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„Erſt geſtern hab' ich ein ganzes Schubfach ſol⸗ cher verliebter Anhalteſchreiben in's Feuer geworfen,“ erzählte Langſchädel weiter;„heut erſcheint ſchon wie⸗ der ein Baron mit nicht weniger denn ſieben Ritter⸗ gütern. Was ſagen Sie, Kappler?“
Dem Sportelſchreiber ward ſchwarz vor den Augen. Wiewohl er ſelbſt nie die entfernteſte Abſicht gehabt, das Mädchen heimzuführen— eine ſo vermeſſene Idee hätte ihm für Sünde gegolten— ſo war ihm doch der Gedanke, die Angebetete an der Seite eines Andern zu wiſſen, niederſchmetternd. Gedachte er nun gar des Barons mit den ſieben Rittergütern, ſo ſchwand ihm vollends alle Hoffnung; denn dieſen Antrag warf der Lieutnant gewiß nicht in's Feuer; eine brillan⸗ tere Partie konnte es für Agnes ja gar nicht geben.
„Aber können Sie ſich denken,“ fuhr Langſchädel fort,„daß ich die Sache dem Baron bereits abge⸗ ſchrieben habe?“
Kappler vermochte ſich dies ſchlechterdings nicht zu denken.
„Ja,“ meinte der Großſprecher,„ſehen Sie, Freund, unſereins hat auch ſeine Marotten, ſeinen Stolz. So ein adeliger Schlucker glaubt, nur anklopfen zu dür⸗ fen, und Thür und Angeln würden wie beſeſſen auf⸗ ſpringen; ja proſit, wir ſind auch nicht von geſtern; nein, ſo lange ich Etwas zu ſagen habe, ſoll meine Nichte keinen Adeligen heirathen und ſäß' er im Golde bis über die Ohren.“
Kappler athmete bei dieſen Worten neue Lebens⸗ luft. Der Lieutnant fuhr leidenſchaftlich fort:
„Ja, Gott ſtraf mich, eh' ich ſo eine adelige Ma⸗ riage zugebe, ſoll meine Agnes eher Frau Sportel⸗ ſchreiberin werden. Sie kennen mich nicht, Kappler.
Ich bin da ein närriſcher Kauz.“
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