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dern, weil der Fall wiederholt dageweſen war, daß die gnädigen Fräuleins die Ehre, mit einem bürger⸗ lichen Harmoniegliede zu tanzen, abgelehnt hatten, während ſie unmittelbar darauf am Arme eines adeli⸗ gen Tänzers dahin walzten. Wie ſehr auch über dieſe adelige Inſolenz in den bürgerlichen Kreiſen raiſonnirt wurde, ſo hatte es doch noch kein Bürger⸗ licher gewagt, derſelben öffentlich und auf der That entgegen zu treten. Dadurch aber, daß man bürger⸗ licherſeits den adeligen Fräuleins ſo viel nachſah, war der Hoch⸗ und Uebermuth der letztern geſteigert worden. Als Muſter von adeliger Prätenſion mußten die beiden Fräuleins Bianca und Luitgard von Po⸗ nikau, ſo wie die Nichte des penſionirten General von Kirchner, Adele von Liebenrode, betrachtet werden. Dieſe jungen Damen, obſchon ihr Adel keineswegs in hohe Jahrhunderte hinaufreicht, auch ihre irdiſchen Glücksgüter nicht eben von großem Belang waren, empfanden gleichwohl eine wahre Averſion gegen Alles, was bürgerlich hieß, und ließen dieſen Adelſtolz haupt⸗ ſächlich dem gebildeten weiblichen Publikum von Neu⸗ kirchen entgelten.
Vergebens hatte der erwähnte flotte Tänzer, der Amtsviceactuar Wolfram, ſo wie ſein tanzluſtiger College, der Kaufmann Weinlich, alle Beredtſamkeit aufgeboten, noch einige junge bürgerliche Harmonie⸗ mitglieder für den Tanz zu animiren. Die Anzahl des Adels war heute zu überwiegend, als daß außer den beiden Genannten ſich ein Bürgerlicher auf den Tanzſaal herausgetraut hätte. Allmälig ward aber auch dem Actuar und dem Kaufmanne die adelige Atmoſphäre zu drückend; ſie kamen ſich gar zu ver⸗ einſamt vor und überließen zum Schrecken der bür⸗ gerlichen Flora dem Adel unbeſchränktes Terrain. Da


